Geschichte
Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherei
Die Schweizer Uhrmacherei hat ihre Wurzeln im Genf des 16. Jahrhunderts. Von dort wanderte das Handwerk in die Täler des Juras, wo Bauernfamilien im Winter Uhrenteile fertigten und später ganze Städte rund um die Uhrenproduktion entstanden. Aus Werkstätten wurden Manufakturen und schliesslich eine Industrie, die die Welt mit Taschen- und Armbanduhren belieferte.
Der Zeitstrahl führt durch rund 480 Jahre: von den Anfängen in Genf über die grossen Erfindungen und die Gründung berühmter Häuser bis zur Quarzkrise, die die Branche fast in die Knie zwang, und zur Rückkehr der mechanischen Uhr. Zu vielen Stationen findest du weiterführende Seiten zu Marken, Ikonen und Technik.
1541 bis 1769
Anfänge in Genf und im Jura
Glaubensflüchtlinge und Genfer Goldschmiede legen den Grundstein, danach breitet sich das Handwerk in die Juratäler aus.

- 1541
Calvin und das Luxusverbot
Nach einer viel erzählten Überlieferung verbot der Reformator Johannes Calvin in Genf das Tragen von Schmuck. Die Genfer Goldschmiede sollen sich deshalb der Uhrmacherei zugewandt haben. Ob es 1541 tatsächlich ein solches Verbot gab, ist unter Historikern umstritten.
- 1550
Glaubensflüchtlinge bringen Wissen mit
Ab etwa 1550 kamen protestantische Glaubensflüchtlinge nach Genf. Viele von ihnen verstanden sich auf tragbare Uhren. Ihr Wissen verband sich mit der Genfer Gold- und Silberschmiedekunst, und die Stadt stieg zu einem Zentrum der Zeitmessung auf.
- 1601
Die Genfer Uhrmacherzunft
1601 schlossen sich die Genfer Uhrmacher zu einer eigenen Zunft zusammen. Sie gilt als erste Uhrmacherzunft überhaupt und regelte Ausbildung und Qualität des Handwerks.
- 1679
Die Legende von Daniel JeanRichard
Der Legende nach reparierte der junge Daniel JeanRichard 1679 die englische Taschenuhr eines Pferdehändlers und baute danach selbst eine Uhr nach. Diese Geschichte entstand erst im 19. Jahrhundert. Historiker sehen seine Bedeutung nüchterner: Er gilt als Gründer einer der ersten richtigen Uhrmacherwerkstätten im Neuenburger Jura.
- 1735
Blancpain in Villeret
Jehan-Jacques Blancpain gründete 1735 in Villeret im Berner Jura seine Uhrmacherwerkstatt. Laut Blancpain ist sie damit die älteste Uhrenmarke der Welt. Mehr →
- 1755
Vacheron Constantin
Am 17. September 1755 nahm der Genfer Uhrmacher Jean-Marc Vacheron seinen ersten Lehrling auf. Dieser Lehrvertrag gilt als Gründungsurkunde von Vacheron Constantin. Laut Marke ist es die älteste Manufaktur, die seit ihrer Gründung ohne Unterbruch Uhren herstellt. Mehr →
1770 bis 1829
Aufstieg und Erfindungen
Tüftler wie Abraham-Louis Perrelet und Abraham-Louis Breguet erfinden Mechanismen, die bis heute in Luxusuhren stecken.

- 1775
Breguet eröffnet in Paris
Der 1747 in Neuenburg geborene Abraham-Louis Breguet eröffnete 1775 seine Werkstatt am Quai de l'Horloge in Paris. Er gilt als einer der bedeutendsten Uhrmacher der Geschichte. Mehr →
- 1777
Perrelet und der Selbstaufzug
Abraham-Louis Perrelet aus Le Locle baute um diese Zeit eine Taschenuhr, die sich durch die Bewegung beim Gehen selbst aufzog. Ein Genfer Bericht von 1777 hielt fest, dass etwa 15 Minuten Gehen für den vollen Aufzug genügten. Perrelet gilt als einer der Pioniere der automatischen Uhr. Mehr →
- 1801
Patent für das Tourbillon
Am 26. Juni 1801 erhielt Breguet in Paris ein Patent für einen neuartigen Regulator, das Tourbillon. Darin dreht sich die Hemmung in einem kleinen Käfig, damit sich Gangfehler durch die Schwerkraft ausgleichen. Mehr →
1830 bis 1959
Industrialisierung und Manufakturen
Viele der heute bekannten Häuser entstehen, Maschinen ziehen in die Werkstätten ein und die Armbanduhr verdrängt die Taschenuhr.

- 1833
Antoine LeCoultre im Vallée de Joux
Antoine LeCoultre eröffnete 1833 in Le Sentier eine kleine Werkstatt, nachdem er eine Maschine zum Schneiden von Trieben erfunden hatte. Daraus wurde später die Manufaktur Jaeger-LeCoultre. Mehr →
- 1839
Patek Philippe beginnt in Genf
Antoine Norbert de Patek und Franciszek Czapek gründeten 1839 in Genf eine Uhrenfirma. Später stiess der Erfinder Jean Adrien Philippe dazu, und laut Patek Philippe trägt das Haus seit 1851 beide Namen. Mehr →
- 1860
Heuer in Saint-Imier
Laut TAG Heuer eröffnete Edouard Heuer 1860 in Saint-Imier eine Uhrmacherwerkstatt. Die Firma zog 1867 nach Biel, wo sie über 100 Jahre blieb. Mehr →
- 1868
Ein Amerikaner in Schaffhausen
Der amerikanische Uhrmacher Florentine Ariosto Jones gründete 1868 in Schaffhausen die spätere IWC. Laut IWC wählte er den Ort, weil der Rhein genug Wasserkraft für die Maschinen lieferte. Mehr →
- 1875
Audemars Piguet in Le Brassus
Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet gründeten 1875 in Le Brassus im Vallée de Joux ihre gemeinsame Firma. Audemars Piguet ist bis heute in Familienbesitz. Mehr →
- 1886
Die Genfer Punze
Ein Genfer Gesetz vom 6. November 1886 schuf eine freiwillige amtliche Prüfung für Uhren aus Genf. Wer die strengen Vorgaben erfüllt, erhält das Genfer Siegel, das den guten Ruf der Genfer Uhren vor Missbrauch schützen sollte.
- 1905
Hans Wilsdorf in London
Hans Wilsdorf und sein Schwager Alfred Davis gründeten 1905 in London die Firma Wilsdorf & Davis. Sie verkauften Uhren mit Werken aus der Schweiz. 1908 liess Wilsdorf den Namen Rolex eintragen. Mehr →
- 1919
Rolex zieht nach Genf
1919 verlegte Rolex seinen Sitz von London nach Genf. Als Gründe gelten die hohen Steuern und Zölle im Grossbritannien der Nachkriegszeit. Mehr →
- 1926
Die Oyster
1926 stellte Rolex mit der Oyster eine wasser- und luftdichte Armbanduhr vor. Sie gilt als wichtiger Schritt zur robusten Alltagsuhr. Mehr →
- 1931
Grosse Gruppen entstehen
In der Weltwirtschaftskrise schlossen sich viele Firmen zusammen: 1930 entstand die SSIH als grösste Schweizer Uhrenfirma, 1931 die ASUAG als grosser Hersteller von Uhrwerken. Beide prägten die Branche über Jahrzehnte.
1960 bis 1989
Quarzkrise und Rettung
Die elektronische Quarzuhr und neue Konkurrenz aus Asien stürzen die Branche in eine schwere Krise, bis Fusionen und die Swatch die Wende bringen.

- 1967
Schweizer Quarzuhr-Prototypen
Das 1962 in Neuenburg gegründete Centre Electronique Horloger entwickelte die ersten Schweizer Quarz-Armbanduhren. 1967 übertrafen seine Prototypen am Chronometrie-Wettbewerb der Sternwarte Neuenburg die mechanischen Uhren deutlich. Mehr →
- 1969
El Primero
1969 stellte Zenith das El Primero vor, ein automatisches Chronographenwerk mit 36 000 Halbschwingungen pro Stunde. Es gilt als eines der ersten automatischen Chronographenwerke. Mehr →
- 1969
Eine Schweizer Uhr auf dem Mond
Bei der Mondlandung von Apollo 11 im Juli 1969 trugen die Astronauten die Omega Speedmaster. Laut Omega war sie die erste Uhr, die auf dem Mond getragen wurde. Mehr →
- 1970
Das Quarzwerk Beta 21
An der Basler Uhrenmesse 1970 wurde das Quarzwerk Beta 21 vorgestellt, entwickelt vom Centre Electronique Horloger. Mehrere Schweizer Marken bauten es in ihre ersten Quarz-Armbanduhren ein. Mehr →
- 1971
Regeln für «Swiss made»
Am 23. Dezember 1971 erliess der Bundesrat eine Verordnung, die festlegt, wann eine Uhr als Schweizer Uhr gelten darf. Sie schützt den Namen «Swiss made» bis heute. Mehr →
- 1972
Die Royal Oak
Mitten in der Krise stellte Audemars Piguet 1972 die von Gérald Genta entworfene Royal Oak vor, eine teure Sportuhr aus Edelstahl. Sie kam zuerst schlecht an und gilt heute als eine der bekanntesten Uhren überhaupt. Mehr →
- 1983
Fusion und die erste Swatch
Die beiden angeschlagenen Gruppen ASUAG und SSIH schlossen sich 1983 zusammen. Im selben Jahr kam die erste Swatch auf den Markt, eine günstige Quarzuhr aus laut Swatch Group nur 51 Bauteilen.
- 1985
Die Quarzkrise in Zahlen
Ende der 1960er-Jahre arbeiteten in der Schweizer Uhrenindustrie rund 90 000 Menschen in etwa 1500 Firmen. 1985 waren es nur noch rund 30 000 Beschäftigte. Fachleute sehen neben der Quarzuhr auch den starken Franken und die Konkurrenz aus Asien als Ursachen.
- 1985
SMH und Nicolas G. Hayek
1985 erhielt der fusionierte Konzern den Namen SMH, und Nicolas G. Hayek wurde Konzernchef. Er hatte die Fusion zuvor als Berater empfohlen. 1998 wurde die SMH in Swatch Group umbenannt.
1990 bis heute
Renaissance der Mechanik bis heute
Die mechanische Uhr kehrt als Kulturgut und Luxusobjekt zurück, geschützt durch strengere Regeln und gewürdigt von der UNESCO.

- 2009
Uhrenstädte werden Welterbe
Die UNESCO nahm 2009 La Chaux-de-Fonds und Le Locle in die Liste des Welterbes auf. Die beiden Jurastädte wurden nach Bränden ganz auf die Bedürfnisse der Uhrmacher hin geplant, mit Wohnungen und Werkstätten Tür an Tür.
- 2017
Strengeres «Swiss made»
Seit dem 1. Januar 2017 gelten strengere Regeln: Mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten einer Uhr müssen in der Schweiz anfallen. Auch für das Uhrwerk gelten Mindestanteile aus der Schweiz. Mehr →
- 2020
Immaterielles Kulturerbe der Menschheit
2020 nahm die UNESCO das handwerkliche Können der Uhrmacherei und Kunstmechanik in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Die Schweiz und Frankreich hatten die Kandidatur gemeinsam eingereicht, mit dem Jurabogen als Zentrum.
- 2025
Uhrenexporte heute
Laut dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH exportierte die Branche 2025 Uhren im Wert von 25,6 Milliarden Franken, 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt verliessen rund 14,6 Millionen Uhren das Land.
Uhrenregionen
Vom Genfersee bis an den Rhein
Die Schweizer Uhrmacherei sitzt bis heute in wenigen Regionen, die meisten entlang des Juras: Genf, das Vallée de Joux, La Chaux-de-Fonds und Le Locle, Biel und Schaffhausen.
Weiter im Kapitel
Uhrenregionen und Museen
Wo Schweizer Uhren entstehen – mit Karte und 12 Museen.
Grosse Köpfe
14 Menschen, die die Schweizer Uhrmacherei geprägt haben.
Uhrmacherkurse
Selbst einmal an einem Uhrwerk arbeiten: Kurse für Laien in der Schweiz.
Stand: 26.10.2026
Quellen
- Historisches Lexikon der Schweiz: Uhrenindustrie
- Historisches Lexikon der Schweiz: JeanRichard, Daniel
- Genève Tourisme: Wiege der Uhrmacherkunst
- Monochrome Watches: John Calvin's Austerity and the Birth of the Swiss Watch Industry
- SWI swissinfo.ch: Wie ausländische Konkurrenz der Schweizer Uhrenbranche Schub verlieh (2021)
- FH Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie: Schweizer Uhrenexporte 2025 (Pressemitteilung vom 29.1.2026)
- FashionUnited: Swiss watch exports contract by 1.7 percent in 2025
- UNESCO: La Chaux-de-Fonds / Le Locle, Watchmaking Town Planning
- UNESCO: Craftsmanship of mechanical watchmaking and art mechanics
- WIPO Lex: Verordnung über die Benützung des Schweizer Namens für Uhren vom 23. Dezember 1971
- Moneycab: «Schweizer Uhr» wird neu definiert, Branchen-Verordnung tritt 2017 in Kraft
- LexFind: Loi sur le contrôle facultatif des montres (Genève, I 1 25)
- Vacheron Constantin: Timeline
- Breguet: The House of Breguet, Timeline
- Breguet: Patent granted for a completely new type of regulator called tourbillon
- Wikipedia: Abraham-Louis Perrelet
- Wikipedia: Blancpain
- Wikipedia: Jaeger-LeCoultre
- Patek Philippe: The Founders
- TAG Heuer: History
- IWC Schaffhausen: Florentine Ariosto Jones
- Sotheby's: The Complete Guide to Collecting Audemars Piguet
- Encyclopaedia Britannica: Rolex
- ETHW: Milestones, Pioneering Work on the Quartz Electronic Wristwatch, 1962-1967
- ETA: 50 years of technology
- Chronext: Zenith El Primero
- Swatch Group: Speedmaster Apollo 11 50th Anniversary
- Swatch Group: Swatch Group History
- Wikipedia: The Swatch Group