Im abgelegenen Vallée de Joux gründeten zwei Jugendfreunde ein Haus, das laut Marke bis heute den Gründerfamilien gehört. Mit der Royal Oak von 1972 gab Audemars Piguet der Sportuhr aus Stahl im Luxussegment ein Gesicht.
Gegründet
1875 in Le Brassus (Firma «Audemars, Piguet & Cie» seit 1881/82)
Gründer
Jules Louis Audemars und Edward Auguste Piguet
Sitz
Le Brassus im Vallée de Joux (Kanton Waadt)
Gehört zu
Unabhängig; laut Marke in der Hand der Gründerfamilien
Bekannt für
Royal Oak und Royal Oak Offshore, Code 11.59, grosse Komplikationen
Das Vallée de Joux im Schweizer Jura gilt laut Audemars Piguet als Wiege der hohen Uhrmacherei: Schon im späten 18. Jahrhundert arbeiteten dort Familienwerkstätten, die sich die Arbeitsschritte untereinander aufteilten. In diesem Umfeld eröffnete Jules Louis Audemars 1875 in Le Brassus eine eigene Werkstatt. Auf dieses Jahr beruft sich das Haus bis heute als Gründungsjahr.
Ende 1881 schloss er mit seinem Jugendfreund Edward Auguste Piguet einen Gesellschaftsvertrag, der am 1. Januar 1882 in Kraft trat. Ende 1882 trugen die beiden den Firmennamen «Audemars, Piguet & Cie» samt Marke ein. Schon früh bot die Firma Taschenuhren mit ewigem Kalender, Minutenrepetition (die Uhr schlägt auf Knopfdruck die Zeit) oder Chronograph (Stoppfunktion) an – also genau die Komplikationen, die Zusatzfunktionen jenseits der Zeitanzeige, für die sie bis heute bekannt ist.
Das Stammhaus von Audemars Piguet in Le Brassus (Kanton Waadt) · Bild: Jag9889, CC BY-SA 4.0
Krise und Neustart
1907 wurde die Firma zur Aktiengesellschaft, 1918 und 1919 starben die beiden Gründer; ihre Söhne Paul Louis Audemars und Paul Edward Piguet führten das Haus weiter. Dann kam die Wirtschaftskrise: Nach dem Zusammenbruch des New Yorker Vertriebspartners Metric Watch blieben 1930 Schulden von 425'000 Franken, und von 1931 bis 1935 verkaufte die Firma weniger als 50 Uhren pro Jahr.
Ab 1948 erneuerte Audemars Piguet Vertrieb und Produktion. Als wichtigster Lieferant von Rohwerken (unfertigen Uhrwerken) diente nun LeCoultre, das heutige Jaeger-LeCoultre. Die Verbindung blieb eng: 1986 erwarb Audemars Piguet 40 Prozent an Jaeger-LeCoultre und verkaufte diesen Anteil im Jahr 2000 an Richemont.
Die Royal Oak: Stahl als Luxus
Anfang der 1970er-Jahre, in den ersten Jahren der Quarzkrise, baten Vertreter Audemars Piguet um eine Sportuhr aus Stahl. Direktor Georges Golay nahm sich der Sache an und beauftragte den Designer Gérald Genta, der laut eigener Erinnerung die erste Skizze über Nacht zeichnete. Intern hiess die Uhr zunächst «Safari»; der Name «Royal Oak» taucht im Archiv erstmals im Dezember 1971 auf. Vorgestellt wurde sie im April 1972 an der Messe in Basel.
Die erste Royal Oak, Referenz (Modellnummer) 5402, hat ein Stahlgehäuse von 39 Millimetern, ein integriertes Armband, ein Zifferblatt im «Tapisserie»-Muster und eine achteckige Lünette (den Ring ums Zifferblatt), die von acht sichtbaren Sechskantschrauben gehalten wird. Das Werk, Kaliber 2121, entstand auf einem Rohwerk von LeCoultre. Woher das Achteck stammt, ist nicht geklärt; Genta selbst dachte an einen Taucherhelm. Geplant war zunächst eine Serie von 1'000 Stück, laut Audemars Piguet entstanden von dieser Referenz bis 2002 insgesamt 6'050 Uhren. Genta zeichnete 1976 auch die Nautilus von Patek Philippe.
Offshore und Code 11.59
1993 zeigte Audemars Piguet an der Basler Messe die Royal Oak Offshore: 42 Millimeter gross, 14,05 Millimeter dick, entworfen vom jungen Emmanuel Gueit und bald «The Beast» (das Biest) genannt. Laut Audemars Piguet reagierten traditionelle Händler empört und jüngere Käufer begeistert; in den ersten drei Jahren verkaufte das Haus 716 Stück. Heute zählt die Offshore-Familie über 130 Varianten.
2019 folgte mit der Code 11.59 eine Linie, die einen Kreis mit dem Achteck der Royal Oak verbindet. 2023 gewann die Code 11.59 Ultra-Complication Universelle RD#4, die drei frühere Forschungsprojekte des Hauses vereint, den «Aiguille d'Or» des Grand Prix d'Horlogerie de Genève.
Audemars Piguet Royal Oak Offshore Chronograph aus Stahl · Bild: Peripitus, CC BY 3.0
Ein Familienhaus im 21. Jahrhundert
Laut Audemars Piguet ist das Haus das älteste Uhrenunternehmen, das noch den Gründerfamilien gehört. Zur dritten und vierten Generation zählen Jacques-Louis Audemars, Paulette Piguet, Olivier Audemars und Jasmine Audemars; Jasmine Audemars übernahm 1992 den Vorsitz des Verwaltungsrats. Im selben Jahr erwarb das Haus die Mehrheit an Renaud & Papi in Le Locle, dem späteren Entwicklungsbereich APRP. Seit Januar 2024 leitet Ilaria Resta das Unternehmen als CEO, Alessandro Bogliolo ist seit 2022 Verwaltungsratspräsident.
2020 eröffnete in Le Brassus das Musée Atelier, ein spiralförmiger Glaspavillon des Büros BIG von Bjarke Ingels neben dem ältesten Gebäude der Firma. 2025 feierte Audemars Piguet laut eigenen Angaben 150 Jahre – mit knapp 3'000 Mitarbeitenden und weiterhin in Familienbesitz.
Meilensteine
1875 Jules Louis Audemars eröffnet in Le Brassus eine eigene Werkstatt.
1881 Gesellschaftsvertrag mit Edward Auguste Piguet, in Kraft ab 1. Januar 1882.
1907 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft; Neubau an der Route de France.
1948 Neuausrichtung des Hauses; LeCoultre wird wichtigster Lieferant von Rohwerken.
1972 Die Royal Oak (Referenz 5402) erscheint an der Messe in Basel.
1986 Audemars Piguet stellt seine erste Armbanduhr mit automatischem Tourbillon vor.
1993 Die Royal Oak Offshore wird in Basel gezeigt.
2000 Audemars Piguet verkauft seine 40 Prozent an Jaeger-LeCoultre an Richemont.
2019 Die Linie Code 11.59 wird vorgestellt.
2025 150-jähriges Bestehen; das Haus ist weiterhin in Familienbesitz.
Eine Sportuhr aus Stahl, die das Haus 1972 als «teuerste Stahluhr der Welt» bewarb: Mit achteckiger Lünette, sichtbaren Schrauben und fest ins Gehäuse integriertem Armband wurde die Royal Oak zum Vorbild einer ganzen Gattung.
Die Uhr, die 1972 Stahl im Luxussegment salonfähig machte: 39 Millimeter gross, mit achteckiger Lünette, die von acht sichtbaren Sechskantschrauben gehalten wird, integriertem Armband und «Tapisserie»-Zifferblatt. Entworfen hat sie Gérald Genta; die erste Referenz 5402 wurde bis 2002 insgesamt 6'050-mal verkauft.
Royal Oak Offshore
1993 · Sportchronograph
Die grössere, wuchtigere Schwester der Royal Oak: 42 Millimeter Durchmesser, 14,05 Millimeter dick, entworfen vom jungen Emmanuel Gueit. In der Branche bekam sie den Übernamen «The Beast» (das Biest); ältere Händler reagierten laut Marke ablehnend, jüngere Käufer begeistert.
Royal Oak Ewiger Kalender
1984 · Royal Oak mit Komplikation (ewiger Kalender)
Die Royal Oak mit ewigem Kalender, der Monatslängen und Schaltjahre selbst kennt, erschien 1984; 1986 folgte eine Version mit durchbrochenem Werk. Sie zeigt, dass die Sportuhr aus Stahl auch eine Komplikation tragen kann.
Royal Oak Concept
2002 · Technische Experimentierlinie
Zum 30. Geburtstag der Royal Oak 2002 vorgestellt, verbindet diese Linie laut Marke Hightech-Materialien mit neuartigen Funktionen. Entworfen hat sie Claude Emmenegger; sie dient bis heute als Plattform für Neuheiten und Zusammenarbeiten.
Millenary
1995 · Dresswatch mit ovalem Gehäuse
Eine Uhr mit liegend ovalem Gehäuse, die 1995 auf das neue Jahrtausend zielte. Ihr typisches, aus der Mitte gerücktes Zifferblatt hat die Linie seit der Neugestaltung von 2006 («Oval Time»).
Code 11.59
2019 · Neuere Kollektion
2019 am Genfer Salon SIHH vorgestellt: ein dreiteiliges Gehäuse mit achteckigem Mittelteil und gewölbtem Glas.
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