Vacheron Constantin führt seine Geschichte in Genf auf das Jahr 1755 zurück. Zusammen mit Patek Philippe und Audemars Piguet wird das Haus oft zur «Holy Trinity» der Uhrmacherei gezählt.
Gegründet
1755 in Genf (laut Marke); als «Vacheron & Constantin» seit 1819
Gründer
Jean-Marc Vacheron; ab 1819 gemeinsam mit François Constantin
Sitz
Plan-les-Ouates bei Genf (seit 2004)
Gehört zu
Richemont (seit 1996)
Bekannt für
Overseas, ultraflache Werke, grosse Komplikationen wie die Referenz 57260
Als Gründungsjahr nennt Vacheron Constantin 1755. Am 17. September jenes Jahres stellte der Genfer Uhrmacher Jean-Marc Vacheron seinen ersten Lehrling ein, Esaïe Jean François Hetier; der notariell beglaubigte Vertrag gilt dem Haus als Geburtsurkunde. Lange datierte die Firma ihren Anfang auf 1785, als Jean-Marc die Geschäfte seinen Söhnen übergab. Erst der Fund des Vertrags im Genfer Staatsarchiv schob das Datum um 30 Jahre nach vorn.
Laut Vacheron Constantin ist das Haus damit die älteste Uhrenmanufaktur der Welt, die ohne Unterbruch arbeitet.
Constantin tritt ein
Jean-Marcs Enkel Jacques-Barthélemi Vacheron reiste durch die europäischen Hauptstädte, um Uhren zu verkaufen. Die kaufmännische Seite überliess er seinem Freund François Constantin: Im April 1819 entstand laut Vacheron Constantin die Firma «Vacheron & Constantin». In einem Brief vom Juli 1819 hielt Constantin das Leitmotiv des Hauses fest: «Faire mieux si possible, ce qui est toujours possible» – besser machen, wenn möglich, und das ist immer möglich.
In den 1830er-Jahren baute die Firma ihre Produktion aus: Georges-Auguste Leschot entwickelte Maschinen für die serienmässige Fertigung, darunter einen Pantographen (ein Gerät, das Vorlagen mechanisch überträgt) zum Gravieren. 1880 wurde das Malteserkreuz als Marke eingetragen; es taucht bis heute auf Zifferblättern, Gehäusen und Armbändern auf.
Wechselnde Besitzer
Im 20. Jahrhundert wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. Ende der 1930er-Jahre kam es unter das Dach der Holding SAPIC, zu der auch Jaeger-LeCoultre gehörte. 1940 kaufte Georges Ketterer die Aktienmehrheit von Charles Constantin, 1965 verliess er die SAPIC, um Vacheron Constantin zu führen. In den 1980er-Jahren wurde der frühere saudische Ölminister Ahmed Zaki Yamani Mehrheitsaktionär; seit 1996 gehört die Firma zur Gruppe Richemont.
Technisch machte sich das Haus mit ultraflachen Werken einen Namen, etwa mit dem Handaufzugskaliber 1003 von 1955, das als dünnstes Handaufzugswerk der Welt galt. Zu den bekanntesten Einzelstücken zählt eine Taschenuhr, die 1929 für König Fuad I. von Ägypten entstand: 2005 erzielte sie beim Auktionshaus Antiquorum in Genf 3'306'250 Franken.
Vacheron Constantin Handaufzugsuhr in Gelbgold (Ref. 33091-1, Kaliber 1003/2, um 1990) · Bild: Charles J. Sharp, CC BY-SA 4.0
Overseas: Stahl und Malteserkreuz
Mitten in der Quarzkrise, als preiswerte Quarzuhren die mechanischen Uhren bedrängten, brachte das Haus 1977 die Referenz 222 heraus – mit 34 oder 37 Millimetern und einem eingravierten Malteserkreuz unten rechts am Gehäuse. Entworfen hat sie Jörg Hysek, nicht Gérald Genta, der die Royal Oak von Audemars Piguet und die Nautilus von Patek Philippe gezeichnet hatte. Die 222 wurde bis 1985 gebaut.
Aus ihr entstand die Overseas: 1996, im Jahr der Übernahme durch Richemont, erschien die erste Generation mit 37 Millimetern, entworfen von Dino Modolo und Vincent Kaufmann. 2004 folgte die zweite Generation, deren Lünette und Armbandglieder das Malteserkreuz nachzeichnen. Die dritte Generation von 2016 trägt ausschliesslich Werke aus dem eigenen Haus.
Die Referenz 57260 und das Haus heute
2004 bezog Vacheron Constantin den vom Architekten Bernard Tschumi entworfenen Hauptsitz in Plan-les-Ouates bei Genf. Zum 250. Jubiläum erschien 2005 die Armbanduhr Tour de l'Île mit 16 Komplikationen (Zusatzfunktionen jenseits der Zeitanzeige).
Zum 260. Jubiläum stellte das Haus im September 2015 die Referenz 57260 vor, eine Taschenuhr mit 57 Komplikationen. Laut Vacheron Constantin ist sie die komplizierteste Uhr, die je gebaut wurde. Drei Meisteruhrmacher arbeiteten acht Jahre daran, gebaut wurde sie für einen privaten Kunden. Das Gehäuse aus Weissgold misst 98 Millimeter im Durchmesser; zuvor hatte Patek Philippe mit dem Kaliber 89 und seinen 33 Komplikationen den Rekord gehalten.
Luftaufnahme des Firmensitzes von Vacheron Constantin in Plan-les-Ouates bei Genf · Bild: Alexey M., CC BY-SA 4.0
Meilensteine
1755 Jean-Marc Vacheron stellt in Genf seinen ersten Lehrling ein; laut Vacheron Constantin das Gründungsdatum.
1819 François Constantin wird Teilhaber, die Firma heisst «Vacheron & Constantin».
1880 Das Malteserkreuz wird als Marke eingetragen.
1940 Georges Ketterer übernimmt die Aktienmehrheit von Charles Constantin.
1955 Das ultraflache Handaufzugskaliber 1003 erscheint.
1977 Die Referenz 222 erscheint, die Vorläuferin der Overseas.
1996 Richemont übernimmt das Haus; die erste Overseas erscheint.
2004 Neuer Hauptsitz und neue Manufaktur in Plan-les-Ouates.
2005 250-Jahr-Jubiläum mit der Armbanduhr Tour de l'Île.
2015 Die Taschenuhr Referenz 57260 mit 57 Komplikationen wird vorgestellt.
Bilder von Vacheron Constantin
Flaggschiff-Boutique von Vacheron Constantin an der Fifth Avenue, New York · Bild: Ajay Suresh, CC BY 2.0
Vacheron Constantin beschreibt die Overseas als «Einladung zum Reisen»: eine elegante Sportuhr aus Stahl, deren Lünette und Armband das Malteserkreuz des Hauses nachzeichnen und deren Bänder sich ohne Werkzeug wechseln lassen.
Sportlich-elegante Stahluhr mit dem Malteserkreuz als Leitmotiv: Seit der zweiten Generation von 2004 zeichnen Lünette und Armbandglieder es nach. Ihr Vorläufer war 1977 die Referenz 222 von Jörg Hysek; die erste Overseas erschien 1996 mit 37 Millimetern, die dritte Generation von 2016 trägt nur Werke aus dem eigenen Haus.
Patrimony
2004 · Dresswatch (elegante, flache Uhr zum Anzug)
Rundes, schlankes Gehäuse, schmale Lünette, gewölbtes Zifferblatt und feine Stundenmarken: Die Patrimony folgt dem Grundsatz «weniger ist mehr». Vorbild waren zwei Referenzen von 1957, die 6178 und die 6179.
Fiftysix
2018 · Armbanduhr im Stil der 1950er-Jahre
Am Genfer Salon SIHH 2018 vorgestellt als moderne Deutung der Referenz 6073 von 1956. Die Bandanstösse (Lugs) sind wie die Arme des Malteserkreuzes geformt; alle Modelle haben ein Automatikwerk und messen 40 Millimeter.
Historiques Cornes de Vache 1955
1955 · Chronograph (Neuauflage eines Klassikers)
Neuauflage der Referenz 6087 von 1955, laut Marke der erste wasserdichte Chronograph des Hauses. Den Namen «Kuhhörner» verdankt sie den geschwungenen Bandanstössen; das Original hatte 35 Millimeter und ein Handaufzugswerk.
Tour de l'Île
2005 · Grande Complication (Armbanduhr mit 16 Komplikationen)
Zum 250-Jahr-Jubiläum 2005 gebaut: eine Armbanduhr mit 16 Komplikationen (Zusatzfunktionen jenseits der Zeitanzeige), von der nur sieben Stück entstanden.
Referenz 57260
2015 · Grande Complication (Taschenuhr mit 57 Komplikationen)
2015 vorgestellt und laut Marke die komplizierteste je gebaute Uhr. Drei Meisteruhrmacher arbeiteten acht Jahre an dieser doppelseitigen Taschenuhr im Gehäuse aus massivem Weissgold.
Métiers d'Art
Kunsthandwerk-Linie
Hier werden Zifferblätter zu kleinen Kunstwerken. 2007 erschien «Les Masques» mit Miniaturen von Masken aus einem privaten Museum, 2012 «Les Univers Infinis» mit Mustern nach M. C. Escher.
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