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Uhrenatlas

Audemars Piguet · seit 1972

Royal Oak

Eine Sportuhr aus Stahl, die das Haus 1972 als «teuerste Stahluhr der Welt» bewarb: Mit achteckiger Lünette, sichtbaren Schrauben und fest ins Gehäuse integriertem Armband wurde die Royal Oak zum Vorbild einer ganzen Gattung.

Marke
Audemars Piguet
Erschienen
1972 (Referenz 5402), vorgestellt an der Basler Messe
Gestaltet von
Gérald Genta, im Auftrag von Georges Golay, dem damaligen Direktor
Art
Luxus-Sportuhr aus Stahl mit achteckiger Lünette und integriertem Armband
Erste Ausführung
39 mm, rund 7 mm hoch, Automatik (Kaliber 2121), laut Marke bis 100 m wasserdicht
Spitzname
«Jumbo» für die flache 39-mm-Ausführung
Stählerne Audemars Piguet Royal Oak mit weissem Tapisserie-Zifferblatt und achteckiger Lünette, schräg von vorne
Audemars Piguet Royal Oak aus Stahl mit weissem Zifferblatt · Bild: poedynchuk (Pixabay), Pixabay-Inhaltslizenz

Eine Stahluhr gegen die Quarzkrise

Anfang der 1970er-Jahre brachten billige Quarzuhren die mechanische Uhrmacherei in Bedrängnis. Im April 1970 baten drei Vertreter Audemars Piguet um eine Sportuhr aus Stahl. Direktor Georges Golay beauftragte den Designer Gérald Genta; der Überlieferung nach zeichnete dieser die erste Skizze noch in derselben Nacht.

Intern hiess die Uhr zunächst «Safari». Der Name «Royal Oak» (englisch für «Königseiche») taucht im Archiv erstmals im Dezember 1971 auf. Er erinnert an britische Kriegsschiffe dieses Namens, die nach einer Eiche benannt waren, die König Charles II. Schutz geboten haben soll. Im April 1972 zeigte Audemars Piguet die Uhr an der Basler Messe.

Achteck, Schrauben, Armband aus einem Guss

Die erste Royal Oak, Referenz (Modellnummer) 5402, hat ein Stahlgehäuse von 39 Millimetern – für die Zeit gross – und ist nur rund 7 Millimeter hoch. Die achteckige Lünette, der Ring um das Zifferblatt, wird von acht sichtbaren Sechskantschrauben gehalten. Das Armband ist fest ins Gehäuse integriert und verjüngt sich zur Schliesse hin. Das Zifferblatt trägt ein feines Würfelmuster, das Audemars Piguet «Tapisserie» nennt.

Möglich wurde die flache Bauweise durch das Automatikwerk Kaliber 2121, das nur 3,05 Millimeter hoch ist. Sein Rohwerk (das unfertige Grundwerk) stammt von LeCoultre, dem heutigen Jaeger-LeCoultre. Woher das Achteck genau stammt, ist nicht geklärt; Genta selbst dachte an einen Taucherhelm.

Nahaufnahme des gebürsteten Stahlarmbands einer Royal Oak am Handgelenk, auf der Schliesse das Zeichen von Audemars Piguet
Stahlarmband einer Audemars Piguet Royal Oak · Bild: Myles Gray, CC BY-SA 4.0

Teuer, gewagt – und dann ein Erfolg

Audemars Piguet warb für die Royal Oak als «teuerste Stahluhr der Welt». Geplant war zunächst eine Serie von 1'000 Stück: Schon im Mai 1971 hatte Jacques-Louis Audemars 1'000 Stahlgehäuse bestellt, laut Audemars Piguet die grösste Einzelbestellung eines Modells in der Firmengeschichte. Der Start war nicht einfach, manche Kunden und Fachleute reagierten skeptisch. Am Ende entstanden von der Referenz 5402 bis 2002 insgesamt 6'050 Uhren, davon rund 4'300 in Stahl.

Gérald Genta zeichnete vier Jahre später auch die Nautilus von Patek Philippe. Zusammen mit der Overseas von Vacheron Constantin werden die drei Uhren oft in einem Atemzug genannt, wenn es um Luxus-Sportuhren aus Stahl geht.

«Jumbo», Offshore und der 50. Geburtstag

Weil 39 Millimeter 1972 als gross galten, heisst die Uhr unter Sammlern «Jumbo». Der Name blieb an der flachen 39-mm-Linie haften, obwohl die übrigen Royal Oak später jahrzehntelang kleiner gebaut wurden. 1993 folgte mit der Royal Oak Offshore ein bewusst wuchtiges Gegenstück: 42 Millimeter gross, rund 14 Millimeter dick und bald «The Beast» (das Biest) genannt.

Zum 50. Geburtstag stellte Audemars Piguet 2022 die «Jumbo» Extra-Thin mit der Referenz 16202 vor. Das neue Kaliber 7121 ist ähnlich flach wie das alte (3,2 Millimeter), schwingt aber schneller (28'800 statt 19'800 Halbschwingungen pro Stunde) und läuft rund 55 statt 40 Stunden. Die persönliche Royal Oak 5402 von Gérald Genta, mit einer in seiner Werkstatt angebrachten Goldlünette, brachte am 10. Mai 2022 bei Sotheby's in Genf mehr als 2 Millionen Franken – ein Rekord für diese Referenz.

Stahl-Chronograph Royal Oak Offshore mit weissem Zifferblatt, drei Hilfszifferblättern und achteckiger Lünette mit sichtbaren Schrauben in einer hellen Uhrenbox
Audemars Piguet Royal Oak Offshore Chronograph aus Stahl · Bild: Peripitus, CC BY 3.0

Gut zu wissen

  • «Referenz» heisst die Modellnummer: 5402 war die erste Royal Oak, 16202 die Jubiläumsuhr von 2022.
  • «Jumbo» ist ein alter Ausdruck für etwas Grosses: Das Wort stammt aus einem Londoner Slangwörterbuch von 1823 und wurde durch den Elefanten Jumbo im Londoner Zoo und den Jumbo-Jet bekannt.
  • Die Royal Oak gibt es laut Audemars Piguet inzwischen in mehr als 500 Varianten.

Weitere Bilder der Royal Oak

Drei stählerne Audemars Piguet Royal Oak mit achteckiger Lünette und Tapisserie-Zifferblatt in Schwarz, Blau und Silber, liegend vor rotbraunem Hintergrund
Drei Audemars Piguet Royal Oak der Referenzen 15300, 15400 und 15500 nebeneinander · Bild: Eric Chen (physician1977), CC0 1.0
Audemars Piguet Royal Oak aus Roségold mit achteckiger, verschraubter Lünette, Grande-Tapisserie-Zifferblatt und integriertem Band vor schwarzem Hintergrund
Audemars Piguet Royal Oak in Roségold · Bild: poedynchuk (Pixabay), Pixabay-Inhaltslizenz
Gelbgoldene Audemars Piguet Royal Oak mit goldenem Tapisserie-Zifferblatt und integriertem Goldband auf dunklem Untergrund
Audemars Piguet Royal Oak in Gelbgold · Bild: m G (@megudag) (Unsplash), Unsplash-Lizenz
Audemars Piguet Royal Oak aus Stahl mit blauem Zifferblatt und achteckiger Lünette am Handgelenk
Audemars Piguet Royal Oak (Ref. 15202) · Bild: OpaleHorse, CC BY-SA 4.0

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