
Jaeger-LeCoultre · 1931
Reverso
Ein Gehäuse, das sich umdrehen lässt, damit das Glas beim Polo heil bleibt: Die Reverso von 1931 ist eine der wenigen Uhren, deren Form sich in fast 100 Jahren kaum verändert hat.
Spitzenhäuser · seit 1833
Von Le Sentier im Vallée de Joux aus lieferte Jaeger-LeCoultre Rohwerke an mehrere berühmte Häuser und entwickelte eigene Klassiker: die wendbare Reverso von 1931 und die Atmos-Uhr, die von Temperaturschwankungen lebt.

Die LeCoultres stammen von Pierre LeCoultre, einem hugenottischen Flüchtling, der 1559 ins Vallée de Joux kam; sein Sohn baute 1612 eine Kapelle, mit der das Dorf Le Sentier entstand. 1833 verwandelte Antoine LeCoultre den ersten Stock der Familienschmiede in Le Sentier in ein Uhrmacheratelier – laut Jaeger-LeCoultre der Beginn der Serienfertigung.
1844 erfand er das Millionomètre, das erste Gerät, das ein Mikron, also einen Tausendstelmillimeter, messen konnte. 1851 gewann er an der Weltausstellung in London eine Goldmedaille für seine Arbeit an austauschbaren Bauteilen. 1866 gründete er mit seinem Sohn Elie eine Manufaktur, die als erste vollwertige des Tals gilt und alle Handwerke unter einem Dach vereinte.
Lange baute LeCoultre Uhrwerke, die andere unter ihrem Namen verkauften. Von 1902 bis etwa 1932 lieferte die Firma die meisten Rohwerke (unfertige Uhrwerke) für Patek Philippe, und laut Audemars Piguet war LeCoultre ab 1948 der wichtigste Lieferant von Rohwerken für Audemars Piguet. Auch die erste Royal Oak und die Royal Oak Offshore tragen Werke auf Basis von LeCoultre- beziehungsweise Jaeger-LeCoultre-Kalibern.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Zusammenarbeit mit Edmond Jaeger: Laut Jaeger-LeCoultre entstanden ab 1903 ultraflache Taschenuhren. 1937 nahm die Firma den Namen Jaeger-LeCoultre an. Ende der 1930er-Jahre war sie mit Vacheron Constantin in der Dachgesellschaft SAPIC verbunden.
Die Reverso entstand 1931. Der Überlieferung nach brauchten britische Offiziere in Indien eine Uhr, die das Polospiel überstand; der Geschäftsmann César de Trey kam auf die Idee eines Gehäuses, das sich umdrehen lässt und das Glas schützt. Der französische Ingenieur René-Alfred Chauvot meldete am 4. März 1931 in Paris das Patent an; im November 1931 liess de Trey den Namen «Reverso» eintragen, die Produktion lief mit Jacques-David LeCoultre an. Die kantige Art-déco-Form blieb seither fast unverändert.
Die Atmos geht auf den Neuenburger Ingenieur Jean-Léon Reutter zurück, der sie 1928 entwarf. Eine dicht verschlossene Kapsel mit Gas dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen; diese Bewegung spannt die Feder – ohne Batterie und ohne Aufzug. Schon ein Grad Temperaturunterschied soll bei frühen Modellen für rund zwei Tage Gang genügen. Jaeger-LeCoultre übernahm 1935 die Produktion.

Seit 1992 prüft das Haus Uhren der Reihe Master Control im gehäusten Zustand 1'000 Stunden lang. 2004 erschien das erste Gyrotourbillon, 2007 das Duomètre-System, bei dem zwei Federhäuser getrennte Räderwerke antreiben. 2014 folgte das Kaliber 362 der Master Hybris Mechanica mit vollständig fliegendem Tourbillon (einem drehenden Käfig, der Lagefehler ausgleicht) und patentierter S-förmiger Spirale.
Nach eigenen Angaben hält Jaeger-LeCoultre inzwischen über 430 Patente und vereint 108 Handwerksberufe in 82 Ateliers unter einem Dach (Stand 2026).
Die Besitzverhältnisse wechselten im späten 20. Jahrhundert: 1978 ging die Mehrheit an den Autozulieferer VDO, 1986 erwarb Audemars Piguet 40 Prozent. Die übrigen 60 Prozent hielt zuletzt die Gesellschaft Les Manufactures Horlogères, die seit 1993 zum Mannesmann-Konzern gehörte.
Im Juli 2000 gab Richemont den Kauf dieser Gesellschaft bekannt, zu der neben Jaeger-LeCoultre auch IWC und A. Lange & Söhne gehörten, und erwarb gleichzeitig von der Audemars-Piguet-Gruppe die restlichen 40 Prozent. Seither gehört Jaeger-LeCoultre ganz zu Richemont.

Jaeger-LeCoultre · 1931
Ein Gehäuse, das sich umdrehen lässt, damit das Glas beim Polo heil bleibt: Die Reverso von 1931 ist eine der wenigen Uhren, deren Form sich in fast 100 Jahren kaum verändert hat.
1931 · Wendeuhr im Art-déco-Stil
Eine rechteckige Uhr, deren Gehäuse sich in seinem Träger umdrehen lässt und so das Zifferblatt schützt. Der Überlieferung nach brauchten britische Offiziere in Indien eine Uhr, die das Polospiel überstand; das Patent meldete der Ingenieur René-Alfred Chauvot am 4. März 1931 an.
1928 · Tischuhr, die ohne Aufzug läuft (keine Armbanduhr)
Der Neuenburger Ingenieur Jean-Léon Reutter entwarf sie 1928. Eine Dose mit Gas dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen; diese Bewegung spannt die Feder, ganz ohne Batterie und Aufzug. Jaeger-LeCoultre übernahm die Herstellung 1935.
1950 · Armbanduhr mit Wecker
Ein Schlagwerk wirkt als Wecker oder Terminerinnerung am Handgelenk. Die Memovox Polaris von 1965 hat ein dreiteiliges Gehäuse, das den Alarm auch unter Wasser hörbar machen soll.
1958 · Chronometer für Forschungsreisen
Ein Zeitmesser, der Magnetfeldern, Wasser und Stössen standhalten sollte. Er war für Forschungsstationen in der Antarktis gedacht.
1992 · Kernlinie des Hauses
Die Linie wurde laut Jaeger-LeCoultre zum Aushängeschild für die «1'000 Hours Control»: Die fertig gehäuste Uhr wird 1'000 Stunden lang auf ihre Genauigkeit geprüft.
2007 · Linie mit Zwei-Federhaus-System
Das Duomètre-System von 2007 arbeitet mit zwei Federhäusern, die je ein eigenes, unabhängiges Räderwerk antreiben.
2004 · Grande Complication (Tourbillon auf zwei Achsen)
Das erste Gyrotourbillon von 2004 war die erste Grande-Complication-Armbanduhr des Hauses: ein Tourbillon, also ein drehender Käfig für die Hemmung, der sich zugleich um zwei Achsen bewegt. Die fünfte Generation erschien 2019.
Offizielle Seite von Jaeger-LeCoultre ↗
Stand: 25.10.2026