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Uhrenatlas

Spitzenhäuser · seit 1775

Breguet

Abraham-Louis Breguet gilt als einer der grössten Uhrmacher überhaupt. Die 1775 in Paris gegründete Firma verbindet seinen Namen mit Erfindungen wie dem Tourbillon und mit Kunden von Marie-Antoinette bis Napoleon.

Gegründet
1775 in Paris (Île de la Cité)
Gründer
Abraham-Louis Breguet (1747–1823), geboren in Neuenburg
Sitz
L'Abbaye im Vallée de Joux; Ursprung in Paris
Gehört zu
Swatch Group (seit 1999)
Bekannt für
Tourbillon, Breguet-Zeiger, Stossschutz «pare-chute», Reine de Naples, Type XX
Goldene Taschenuhr mit silbrig guillochiertem Zifferblatt, römischen Ziffern, kleiner Sekunde und blauen Stahlzeigern auf einem durchsichtigen Ständer
Taschenuhr von Breguet, 1821 in Paris gekauft von William Henry Fox Talbot (Fox Talbot Museum, Lacock) · Bild: Daderot, gemeinfrei

Ein Neuenburger in Paris

Abraham-Louis Breguet kam 1747 als Sohn hugenottischer Eltern in Neuenburg zur Welt. Ab 1762 lernte er in Versailles, und 1775 eröffnete er auf der Île de la Cité in Paris seine eigene Werkstatt. Zu seinen Kunden zählten bald Königin Marie-Antoinette, Napoleon und der Herzog von Wellington.

Schon 1780 entstanden in seinem Atelier selbstaufziehende Uhren, die «Perpétuelle». 1783 folgten die Gongfeder für Repetitionsuhren (Uhren, die die Zeit schlagen) sowie die Zeiger und Ziffern, die noch heute seinen Namen tragen. Während der Revolution floh er von 1793 bis 1795 in die Schweiz.

Drei Ausstellungsstücke nebeneinander: eine goldene Werkplatte, eine Taschenuhr mit sichtbarem Räderwerk und ein weisses Emailzifferblatt mit der Aufschrift Breguet
Skelettierte Taschenuhr von Breguet, 1785, mit Werkplatte und Zifferblatt (Musée Guimet, Paris) · Bild: PHGCOM, CC BY-SA 3.0

Erfindungen mit Nachwirkung

1790 erfand Breguet den «pare-chute», einen frühen Stossschutz für die Unruh (den Taktgeber der Uhr). 1795 folgte die Breguet-Spirale, 1796 verkaufte er die erste Subskriptionsuhr (eine im Voraus bestellte Uhr) mit nur einem Zeiger, 1799 die erste «montre à tact», die sich durch Tasten ablesen liess.

Am 26. Juni 1801 erhielt er ein Patent auf das Tourbillon. Dabei sitzt die Hemmung samt Unruh in einem Käfig, der sich einmal pro Minute um die eigene Achse dreht; so gleichen sich Gangfehler aus, die entstehen, wenn die Uhr ihre Lage ändert. Das erste Tourbillon verkaufte Breguet 1805. Laut Breguet wurden bis zu seinem Tod 1823 nur 35 Stück verkauft.

Kolorierte Konstruktionszeichnung des Tourbillons mit Aufriss und Grundriss, beschriftet auf Französisch
Originalzeichnung des Tourbillons von Abraham-Louis Breguet · Bild: Abraham-Louis Breguet (Zeichnung), gemeinfrei

Königin, Kaiser und eine lange Bestellung

1783 bestellte ein Offizier der Garde der Königin, dessen Name unbekannt blieb, eine Uhr für Marie-Antoinette: mit allen damals bekannten Komplikationen und ohne Zeit- oder Kostenlimit. Die Nummer 160, die «Marie-Antoinette», wurde erst nach der Revolution fertig; die Königin sah sie nie. Nach gängiger Darstellung war sie 1827 vollendet, 44 Jahre nach der Bestellung. 1983 wurde sie aus einem Museum in Jerusalem gestohlen und tauchte 2007 wieder auf; 2008 zeigte Breguet in Basel eine neue «Marie-Antoinette», die nach Archivunterlagen entstand.

1798 kaufte Napoleon vor seinem Ägyptenfeldzug drei Uhren bei Breguet. 1805 erwarb Caroline Murat, die Königin von Neapel, ihr erstes Stück. Am 8. Juni 1810 bestellte sie unter anderem eine Repetitionsuhr «für ein Armband»: die Nummer 2639, oval, extrem flach, an einem Band aus Haar und Goldfaden. Breguet sieht darin die erste Uhr, die für das Handgelenk gedacht war.

Brown, Chaumet und die Swatch Group

Nach Breguets Tod 1823 übernahm sein Sohn Antoine-Louis das Geschäft, das seit 1807 «Breguet et Fils» hiess. 1870 ging es an den Werkstattleiter Edward Brown; die englische Familie Brown führte das Haus bis 1970.

1970 kaufte der Pariser Juwelier Chaumet die Firma, 1987 die Investmentgesellschaft Investcorp. 1999 wechselte die Marke zur Swatch Group. Heute sitzt Breguet in L'Abbaye im Vallée de Joux – dem Tal, in dem auch Jaeger-LeCoultre und Audemars Piguet zu Hause sind.

Fliegeruhr und Reine de Naples

Zu den bekanntesten neueren Modellen gehört der Chronograph (Uhr mit Stoppfunktion) Type XX. Breguet baute ihn für die französische Luftwaffe: Die ersten drei Prototypen gingen 1952 an die technische Dienststelle der französischen Luftfahrt, 1954 folgte ein Auftrag über 1'100 Stück, die laut Breguet zwischen 1955 und 1959 ausgeliefert wurden. Eine Besonderheit ist die Rückstellfunktion: Ein Druck auf den unteren Drücker stellt den Chronographen auf null und startet ihn sofort neu – heute «Flyback» genannt. In den Firmenakten heissen die Stücke der Luftwaffe «Type 20», die übrigen Ausführungen «Type XX».

Auch die Kollektion «Reine de Naples» geht auf ein historisches Stück zurück, auf die ovale Uhr Nr. 2639 der Königin von Neapel. Das ovale Gehäuse zählt laut Breguet zu den Erkennungszeichen des Hauses.

Meilensteine

  1. 1775 Abraham-Louis Breguet eröffnet sein Atelier auf der Île de la Cité in Paris.
  2. 1780 Selbstaufziehende Uhren, die «Perpétuelle», entstehen im Atelier.
  3. 1783 Die Uhr Nr. 160 («Marie-Antoinette») wird bestellt; Gongfeder, Breguet-Zeiger und -Ziffern.
  4. 1790 Der Stossschutz «pare-chute» wird erfunden.
  5. 1801 Patent auf das Tourbillon (26. Juni).
  6. 1810 Caroline Murat, Königin von Neapel, bestellt die laut Breguet erste Uhr für das Handgelenk (Nr. 2639).
  7. 1823 Tod von Abraham-Louis Breguet; sein Sohn Antoine-Louis führt das Haus weiter.
  8. 1870 Verkauf an Edward Brown; die englische Familie führt das Haus bis 1970.
  9. 1954 Auftrag der Luftwaffe über 1'100 Chronographen Type 20; die Serienproduktion beginnt.
  10. 1999 Breguet wird Teil der Swatch Group.

Ikonen von Breguet

Chronograph mit schwarzem Zifferblatt, Leuchtziffern, zwei Hilfszifferblättern und zwei Drückern an einem schwarzen Band, vor dunklem Hintergrund

Breguet · 1954

Type XX

Ein Chronograph, der auf einen Druck stoppt, nullt und neu startet: Breguet baute die Type XX in den 1950er-Jahren für die französische Luftwaffe und machte daraus eine zivile Klassikerlinie.

Wichtige Modelle von Breguet

  • Classique

    Kernlinie mit rundem Gehäuse

    Die Kernlinie des Hauses mit fein geriffelten Gehäuseflanken, von Hand guillochierten Zifferblättern (ein feines Muster, das auf einer Drehbank ins Metall graviert wird) und den typischen Breguet-Zeigern mit offener Spitze. Die Breguet-Ziffern gehen auf einen Entwurf von Abraham-Louis Breguet aus dem Jahr 1783 zurück.

  • Marine

    Sportlich-elegante Linie

    Sie erinnert daran, dass Abraham-Louis Breguet 1815 zum Uhrmacher der königlichen Marine ernannt wurde und Schiffschronometer baute. Typisch sind ein Wellenmuster auf dem Zifferblatt, Automatikwerke mit Spirale und Hemmung aus Silizium sowie Reisefunktionen wie die zweite Zeitzone der Hora Mundi.

  • Tradition

    2005 · Uhr mit sichtbarem Werk auf der Zifferblattseite

    Die wichtigen Teile des Werks liegen sichtbar auf der Zifferblattseite, in symmetrischer Anordnung mit einem aus der Mitte gerückten Federhaus. Vorbild sind die Subskriptionsuhren von 1796 (Uhren, die im Voraus bestellt wurden); viele Modelle tragen den Stossschutz «pare-chute», den Abraham-Louis Breguet erfunden hat.

  • Reine de Naples

    2002 · Damenuhr mit ovalem Gehäuse

    Eine Damenlinie mit ovalem Gehäuse, 2002 eingeführt mit einem neuen Mondphasen-Mechanismus. Vorbild ist die Armbanduhr Nr. 2639 für Caroline Murat, die Königin von Neapel – laut Breguet die erste Uhr, die für das Handgelenk gedacht war.

  • Type XX

    1954 · Fliegerchronograph

    Der Chronograph entstand für die französische Luftwaffe; deren Stücke heissen in den Firmenakten «Type 20», die zivilen «Type XX». Besonderheit ist die Flyback-Funktion: Ein Druck auf den unteren Drücker stellt den Chronographen auf null zurück, sodass sich mehrere Zeiten nacheinander stoppen lassen. 1954 begann die Serienproduktion, 2023 erschien die neue Generation.

  • Classique Tourbillon Extra-Plat

    Grande Complication (extraflache Tourbillon-Armbanduhr)

    Eine sehr flache Armbanduhr mit Tourbillon in Roségold oder Platin. Beim Tourbillon, das Abraham-Louis Breguet 1801 patentieren liess, sitzt die Hemmung samt Unruh in einem Käfig, der sich einmal pro Minute dreht; so gleichen sich Lagefehler aus. Ein extradünnes Tourbillon-Werk stellte Breguet 2014 vor.

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