Jaeger-LeCoultre · seit 1931
Reverso
Ein Gehäuse, das sich umdrehen lässt, damit das Glas beim Polo heil bleibt: Die Reverso von 1931 ist eine der wenigen Uhren, deren Form sich in fast 100 Jahren kaum verändert hat.
- Marke
- Jaeger-LeCoultre
- Erschienen
- 1931 (Patent Nr. 712.868 vom 4. März 1931)
- Art
- Rechteckige Art-déco-Armbanduhr mit wendbarem Gehäuse
- Name
- Lateinisch «ich drehe»
- Entwickelt von
- César de Trey (Idee), René-Alfred Chauvot (Gehäuse), Jacques-David LeCoultre (Fertigung)
- Erstes eigenes Werk
- Kaliber 410, von Hand aufgezogen, 1933

Eine Uhr für das Polo
1930, so die Überlieferung, brauchten britische Offiziere in Indien eine Uhr, die das Polospiel überstand. Der Schweizer Geschäftsmann César de Trey, der solche Spiele sah, kam auf die Idee eines Gehäuses, das sich umdrehen lässt: Dann zeigt beim Spiel nicht das empfindliche Glas nach aussen, sondern ein glatter Metalldeckel.
De Trey tat sich mit Jacques-David LeCoultre zusammen und beauftragte über Jaeger den französischen Konstrukteur René-Alfred Chauvot mit dem Gehäuse. Am 4. März 1931 meldete Chauvot in Paris ein Patent an, auf «eine Uhr, die in ihrer Halterung gleiten und ganz gewendet werden kann». De Trey erwarb die Rechte, und im November 1931 liess er den Namen «Reverso» eintragen. Weniger als neun Monate nach der Patentanmeldung waren die ersten Uhren zu kaufen.
So wendet sich die Uhr
Das Gehäuse sitzt in einem Rahmen: Es gleitet darin, lässt sich einmal ganz herumdrehen und rastet wieder ein. Nun zeigt die glatte Rückseite nach oben und schützt das Glas. Das erste Gehäuse bestand aus 23 Teilen.
Die Rückseite blieb zunächst frei: Sie liess sich gravieren, mit einem Monogramm versehen oder mit einer Emailmalerei schmücken. Bei der Duoface sitzt dort seit 1994 ein zweites Zifferblatt.
Art déco aus Stahl
Die Reverso ist rechteckig, mit drei waagrechten Rillen oberhalb und unterhalb des Zifferblatts – ein typisches Merkmal des Art déco, das bis heute geblieben ist. Das Gehäuse bestand nicht aus Gold, sondern aus rostfreiem Stahl; für die damalige Zeit war das mutig. Laut Jaeger-LeCoultre folgt die Form dem Goldenen Schnitt.
Die ersten Reverso liefen mit Werken der Firma Tavannes. 1933 kam das eigene, von Hand aufzuziehende Kaliber 410 mit kleiner Sekunde, das der rechteckigen Form folgt. Auch andere Marken verkauften in den 1930er-Jahren Uhren in Reverso-Gehäusen, darunter Patek Philippe und Vacheron Constantin.

Vergessen, wiederentdeckt, weitergedacht
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Reverso über Jahrzehnte aus den Katalogen. Um 1970 fand Giorgio Corvo, der italienische Vertreter von Jaeger-LeCoultre, in Le Sentier rund 200 unbenutzte Stahlgehäuse; er liess sie mit mechanischen Werken bestücken und verkaufte sie rasch. Ab 1975 lief die Reverso wieder in Serie.
1991, zum 60. Geburtstag, kehrte sie als «Soixantième» zurück – mit der grösseren Form «Grande Taille» (42 × 26 × 9 Millimeter) und erstmals mit Komplikationen, also Zusatzfunktionen jenseits der Zeitanzeige. 1994 folgte die Duoface. Heute gibt es die Reverso in vielen Grössen und Ausführungen, von der schlichten «Tribute» bis zur Reverso Hybris Mechanica mit elf Komplikationen (2021).
Gut zu wissen
- Die Duoface hat auf der Rückseite ein zweites Zifferblatt, etwa für eine zweite Zeitzone.
- Die glatte Rückseite ist eine Leinwand: In der Manufaktur übernimmt das Atelier «Métiers Rares» (seltene Handwerke) Gravuren, Email und Miniaturmalerei.
- Den Namen Jaeger-LeCoultre trägt die Firma erst seit 1937 – die Reverso von 1931 ist älter als der Firmenname.
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Stand: 26.10.2026
Quellen
- Jaeger-LeCoultre: The Genesis of Reverso (offizielle Presseseite)
- WorldTempus: Origins of the Jaeger-LeCoultre Reverso (2024)
- Monochrome: History of the Jaeger-LeCoultre Reverso
- Gear Patrol: Timekeeping Icon, the Jaeger-LeCoultre Reverso
- La Côte des Montres: Today is Reverso's birthday (Mitteilung von Jaeger-LeCoultre zum 90. Geburtstag, 2021)