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Uhrenatlas

Grosse Luxusmarken · seit 1847

Cartier

Cartier ist ein Pariser Juwelierhaus, das mit Uhren wie der Tank und der Santos Designgeschichte schrieb. Seine Uhrmacherei sitzt seit Jahrzehnten im Schweizer Jura, in La Chaux-de-Fonds.

Gegründet
1847 in Paris
Gründer
Louis-François Cartier
Sitz
Paris; Uhrenmanufaktur in La Chaux-de-Fonds
Gehört zu
Richemont (Genf)
Bekannt für
Tank, Santos, Pasha, Ballon Bleu
Rechteckige Cartier Tank mit goldfarbenem Gehäuse, cremefarbenem Zifferblatt mit römischen Ziffern, Saphir-Cabochon an der Krone und schwarzem Lederband
Cartier Tank der Linie «Les Must de Cartier» mit goldfarbenem Gehäuse · Bild: Guy Sie, CC BY-SA 2.0

Ein Pariser Haus mit Familiengeschichte

1847 übernahm Louis-François Cartier in Paris die Werkstatt seines Lehrmeisters Adolphe Picard; das gilt als Gründung des Hauses. Sein Sohn Alfred führte die Firma ab 1874 weiter und baute den Uhrenbereich auf. Schon 1888 soll das Haus erste Armbanduhren vorgestellt haben.

Alfreds drei Söhne prägten die nächste Generation: Louis leitete das Pariser Haus und verlegte es 1899 in die Rue de la Paix, Jacques baute ab 1902 die Filiale in London auf, Pierre eröffnete 1909 eine in New York. Bis 1964 blieb die Firma in Familienbesitz; heute gehört Cartier zur Genfer Richemont-Gruppe.

Santos und Tank

Für den brasilianischen Flugpionier Alberto Santos-Dumont entwarf Louis Cartier nach gängiger Darstellung 1904 eine Armbanduhr, die sich im Flug leichter ablesen liess als eine Taschenuhr. Von dieser ersten Uhr ist nichts erhalten; im Handel gab es die Santos-Dumont ab 1911. Die erste Armbanduhr überhaupt war sie aber nicht.

Die Tank entwarf Louis Cartier laut Cartier 1917. Die ersten sechs Exemplare kamen Ende 1919 in den Verkauf und waren Mitte Januar 1920 vergriffen. Typisch sind die beiden senkrechten Seitenstege, die Gehäuse und Band verbinden, ein Minutenband in der Form eines Schienenstrangs, römische Ziffern und ein rund geschliffener Saphir (Cabochon) an der Krone. Die oft erzählte Geschichte vom Renault-Panzer als Vorbild und vom Prototyp für General Pershing ist nicht gesichert.

Quadratische Stahluhr mit sichtbaren Schrauben an Lünette und Armband und silbernem Zifferblatt mit römischen Ziffern auf einem Ständer
Santos de Cartier in Stahl, ausgestellt in einem Cartier-Geschäft in Prag · Bild: Pittigrilli, CC BY-SA 4.0

Von Zulieferern zur eigenen Manufaktur

Lange kamen Cartiers Uhrwerke von Spezialisten. 1907 schloss das Haus einen Vertrag mit Edmond Jaeger, der Cartier exklusiv mit Werken belieferte; später arbeitete Cartier eng mit Jaeger-LeCoultre zusammen und verwendete daneben Werke von Vacheron Constantin und Audemars Piguet.

Laut Cartier baute das Haus seine eigene Uhrmacherei ab 1972 in La Chaux-de-Fonds auf. Die heutige Manufaktur dort wurde im Jahr 2000 gebaut und vereint über 120 Berufe auf 33'000 Quadratmetern. 2010 folgte mit dem Kaliber 1904 MC das erste eigene Automatikwerk. Insgesamt beschäftigen die Cartier-Manufakturen (Stand 2021) rund 1'200 Menschen an fünf Standorten in drei Kantonen.

Warum im Uhrenatlas?

Cartier ist keine Schweizer Gründung: Das Haus entstand 1847 in Paris, und sein Sitz ist bis heute Paris. Im Uhrenatlas steht es trotzdem, weil seine Uhren in der Schweiz entstehen: Die Uhrmacherei sitzt laut Cartier seit 1972 in La Chaux-de-Fonds, die Manufaktur dort wurde im Jahr 2000 gebaut. Auf dem Zifferblatt der abgebildeten Tank Américaine steht entsprechend «Swiss made».

Hinzu kommt der Eigentümer, die Genfer Richemont-Gruppe. Cartier bleibt dennoch ein Grenzfall: ein französisches Haus mit Schweizer Uhrmacherei. Deshalb trägt der Eintrag in der Pyramide einen Herkunftshinweis.

Hohe, leicht gewölbte Cartier Tank Américaine in Gelbgold mit braunem Lederband und dem Aufdruck «Swiss made» auf dem Zifferblatt
Cartier Tank Américaine in Gelbgold (Design Museum, London) · Bild: Daderot, CC0

Meilensteine

  1. 1847 Louis-François Cartier übernimmt in Paris die Werkstatt seines Lehrmeisters; Gründung des Hauses.
  2. 1888 Cartier soll erste Armbanduhren vorgestellt haben.
  3. 1904 Nach gängiger Darstellung entwirft Louis Cartier die Armbanduhr für Alberto Santos-Dumont; im Handel gibt es die Santos-Dumont ab 1911.
  4. 1907 Vertrag mit Edmond Jaeger über die exklusive Lieferung von Uhrwerken.
  5. 1917 Louis Cartier entwirft laut Cartier die Tank.
  6. 1919 Die ersten sechs Tank-Uhren kommen in den Verkauf.
  7. 1972 Laut Cartier beginnt der Aufbau der Uhrmacherei in La Chaux-de-Fonds.
  8. 2000 Die Manufaktur in La Chaux-de-Fonds wird gebaut.
  9. 2010 Das Kaliber 1904 MC, Cartiers erstes eigenes Automatikwerk.

Ikonen von Cartier

Rechteckige Cartier Tank mit goldfarbenem Gehäuse, cremefarbenem Zifferblatt mit römischen Ziffern, Saphir-Cabochon an der Krone und schwarzem Lederband

Cartier · 1917

Tank

Keine runde Uhr, sondern ein Rechteck: Die Tank zeigt seit 1919, was eine klare Form bewirken kann. Seitenstege, römische Ziffern und ein runder Saphir an der Krone erkennt man sofort.

Quadratische Stahluhr mit sichtbaren Schrauben an Lünette und Armband und silbernem Zifferblatt mit römischen Ziffern auf einem Ständer

Cartier · 1904

Santos

Für einen Flugpionier entworfen und von einem Quadrat mit sichtbaren Schrauben geprägt: Die Santos begann als Pilotenuhr und wurde ab 1978 zur Stahluhr.

Wichtige Modelle von Cartier

  • Santos

    1911 · Eckige Uhr, Fliegeruhr-Ursprung

    Louis Cartier soll 1904 für den Flugpionier Alberto Santos-Dumont eine flache Armbanduhr mit eckiger Lünette entworfen haben; im Handel gab es die Santos-Dumont ab 1911. 1978 folgte die Version aus Stahl und Gold mit sichtbaren Schrauben, 2018 die heutige Santos de Cartier.

  • Tank

    1919 · Rechteckuhr, Dresswatch

    Louis Cartier entwarf sie laut Cartier 1917, die ersten Uhren kamen Ende 1919 in den Verkauf. Typisch sind zwei senkrechte Seitenstege (Brancards), römische Ziffern, ein Minutenband in Schienenform und ein runder Saphir an der Krone.

  • Panthère

    1983 · Eckige Uhr mit Gliederband

    Eine Weiterentwicklung der Santos-Dumont mit Kronenschutz und einem Gliederarmband aus ziegelartigen Gliedern.

  • Pasha

    1985 · Sportuhr

    Von Gérald Genta gestaltet: ein rundes 38-Millimeter-Gehäuse mit breiter Lünette, verschraubter Kronenkappe an einem Kettchen und je nach Modell einem Schutzgitter über dem Zifferblatt. Den Namen erklärt Cartier mit einem Gruss an den Pascha von Marrakesch.

  • Tank Américaine

    1989 · Rechteckuhr, gewölbte Form

    Eine grössere, länglichere und gewölbte Tank, die sich auch für Komplikationen eignet; die Française (1996) ging noch weiter und liess das Gehäuse in ein integriertes Armband übergehen.

  • Ballon Bleu

    2007 · Runde Uhr

    Eine rundliche Cartier-Uhr als Gegenstück zu den eckigen Klassikern: Die Krone mit blauem Saphir sitzt unter einem Bogen, die römischen Ziffern sind dem Gehäuse leicht angepasst. Sie gibt es in vielen Grössen, auch mit Tourbillon.

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