
Zenith · 1969
El Primero
Ein Werk, das zur Legende wurde: Der El Primero stoppt Zehntelsekunden und gehört zu den ersten automatischen Chronographen. Beinahe wäre er vergessen worden – bis Rolex ihn für die Daytona wollte.
Grosse Luxusmarken · seit 1865
Zenith baut seit 1865 in Le Locle Uhren und ist vor allem für ein Werk berühmt: den El Primero von 1969, einen der ersten automatischen Chronographen, dessen abgewandelte Fassung später auch in der Rolex Daytona tickte.

1865 gründete der 22-jährige Georges Favre-Jacot in Le Locle im Neuenburger Jura die «Fabrique des Billodes». Sein Ziel: alle Schritte der Uhrmacherei unter einem Dach zu vereinen. Eines seiner Werke nannte er nach dem Zenit, dem höchsten Punkt am Himmel; das Logo der Marke ist bis heute ein fünfzackiger Stern. An der Pariser Weltausstellung von 1900 erhielt Zenith für dieses Kaliber einen Grand Prix.
1911 wurde das Unternehmen zur Aktiengesellschaft «Fabrique des Montres Zenith». Mit Präzision machte sich die Firma früh einen Namen: Das Kaliber 135-O gewann zwischen 1950 und 1954 fünf Preise der Sternwarte Neuenburg.

Schon Anfang der 1960er-Jahre plante Zenith einen automatischen Chronographen, der zum 100-Jahr-Jubiläum 1965 fertig sein sollte. Er verspätete sich um einige Jahre: Am 10. Januar 1969 stellte das Haus das Werk vor, das intern 3019 PHC hiess und den Namen «El Primero» («der Erste») erhielt. Es schwingt mit 36'000 Halbschwingungen pro Stunde (5 Hertz) und kann dadurch Zehntelsekunden stoppen. Ausserdem ist es ein integriertes Werk: Der Chronograph ist fest eingebaut und wird von einem Schaltrad (Säulenrad) gesteuert, nicht als Modul aufgesetzt.
Wer 1969 «zuerst» war, hängt davon ab, was man zählt. Zenith zeigte sein Werk nach gängiger Darstellung als Erstes öffentlich. Am 3. März folgte ein Konsortium aus Heuer-Leonidas, Breitling, Hamilton-Büren und Dubois Dépraz mit dem Kaliber 11 («Chronomatic»); Heuer heisst heute TAG Heuer. Dazu kam Seiko mit dem Kaliber 6139. In den Handel kamen die Konkurrenten allerdings früher: Seiko im Mai in Japan, das Konsortium ab August, der El Primero erst im Herbst. Dafür lief er mit 36'000 Halbschwingungen am schnellsten, die 6139 mit 21'600, das Kaliber 11 mit 19'800. Zenith selbst nennt den El Primero den ersten automatischen Hochfrequenz-Chronographen.

Ende der 1960er-Jahre schloss sich Zenith mit Movado und Mondia zusammen; Anfang der 1970er-Jahre übernahm die amerikanische Zenith Radio Corporation die Gruppe. Als Quarzuhren die mechanischen Uhren verdrängten, fuhr Zenith die mechanische Fertigung in Le Locle ab Mitte der 1970er-Jahre zurück, und die Werkzeuge sollten verkauft werden. 1978 übernahm die Dixi-Gruppe von Paul Castella aus Le Locle das Unternehmen.
Der Werkstattleiter Charles Vermot versteckte der Überlieferung nach Werkzeuge, Pressen und Pläne des El Primero auf einem Dachboden der Fabrik und rettete sie so. Anfang der 1980er-Jahre bestellten Marken wie Ebel Werke, und Rolex suchte ein automatisches Chronographenwerk für die Daytona. So konnte Zenith die Fertigung 1984 wieder aufnehmen. Rolex liess das Werk stark abändern und mit 28'800 statt 36'000 Halbschwingungen laufen. Von 1988 bis 2000 tickte es in der Daytona.
1999 kaufte der Luxuskonzern LVMH Zenith; zur Gruppe gehören auch TAG Heuer und Hublot. Sitz und Manufaktur blieben in Le Locle.
Die heutigen Kollektionen heissen Chronomaster, Defy und Pilot. Das El-Primero-Werk wurde mehrfach weiterentwickelt: Zum 50. Jubiläum 2019 erschien das Kaliber 3600 mit 60 Stunden Gangreserve, und die Defy mit dem Werk El Primero 21 misst laut Zenith Hundertstelsekunden.

Zenith · 1969
Ein Werk, das zur Legende wurde: Der El Primero stoppt Zehntelsekunden und gehört zu den ersten automatischen Chronographen. Beinahe wäre er vergessen worden – bis Rolex ihn für die Daytona wollte.
1969 · Chronograph (Werk und Uhrenfamilie)
Das Automatikwerk von 1969 schwingt mit 36'000 Halbschwingungen pro Stunde (5 Hertz) und stoppt dadurch Zehntelsekunden; laut Zenith war es der erste automatische Hochfrequenz-Chronograph. Rolex baute eine abgeänderte Fassung von 1988 bis 2000 in die Daytona ein.
1969 · Sportuhr
Die erste Defy, die A3642, antwortete auf die aufkommenden Quarzuhren: ein achteckiges Stahlgehäuse mit vierzehneckiger Lünette (Ring ums Glas), bis 300 Meter wasserdicht, das Werk durch einen Gummiring gegen Stösse geschützt. Die Linie wurde seither mehrfach neu aufgelegt.
2021 · Chronograph
Eine Neuauflage der A386 von 1969, einer der ersten Stahluhren mit dem El-Primero-Werk: 38 Millimeter, dreifarbige Hilfszifferblätter in Grau und Blau, Stahlband und das Werk El Primero 3600 mit 60 Stunden Gangreserve.
2021 · Chronograph
Wuchtiger Chronograph mit 45-Millimeter-Titangehäuse und hochfrequentem El-Primero-Werk, das laut Zenith Hundertstelsekunden misst. Die Form greift das achteckige Gehäuse der ersten Defy auf.
2022 · Sportuhr mit integriertem Armband
Eine weichere, rundere Deutung der Defy: 41-Millimeter-Gehäuse mit wechselbarem Stahlband und das Werk El Primero 3620, das mit 36'000 Halbschwingungen pro Stunde läuft und eine Zehntelsekunden-Anzeige bei 9 Uhr bietet.
2012 · Fliegeruhr
Zeniths Fliegeruhren knüpfen an Cockpit-Instrumente für französische Flugzeuge an; der Überlieferung nach trug Louis Blériot 1909 bei der Kanalüberquerung eine Zenith. Die moderne Type 20 kehrte 2012 mit 57,5-Millimeter-Titangehäuse in nur 250 Stück zurück, 2023 folgte eine neue Pilot-Kollektion mit 40 Millimetern.
Stand: 25.10.2026