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Uhrenatlas

Grosse Luxusmarken · seit 1884

Breitling

Aus einer Chronographen-Werkstatt in Saint-Imier wurde die Uhrenmarke der Piloten: Breitling steht seit 1884 für Zeitmesser mit Stoppfunktion – und für die Navitimer mit ihrem Rechenschieber.

Gegründet
1884 in Saint-Imier
Gründer
Léon Breitling
Sitz
Grenchen (Hauptsitz); Fertigung unter anderem in La Chaux-de-Fonds
Gehört zu
Finanzinvestoren (Partners Group und CVC) und Management, kein Uhrenkonzern
Bekannt für
Navitimer, Chronomat, Superocean, Pilotenuhren, Chronographen
Breitling Navitimer mit schwarzem Zifferblatt, drei weissen Hilfszifferblättern und Rechenschieber auf der Lünette
Breitling Navitimer 806 E (letzte Version) · Bild: PAPPL, CC BY-SA 4.0

Vom Atelier zur Fabrik

1884 eröffnete der 24-jährige Léon Breitling in Saint-Imier ein eigenes Atelier und spezialisierte sich auf Chronographen, also Uhren mit Stoppfunktion. 1892 zog er nach La Chaux-de-Fonds, das damals als Zentrum der Schweizer Uhrmacherei galt, und baute die Werkstatt zur Fabrik aus. Nach Léons Tod 1914 übernahm sein Sohn Gaston.

Gaston Breitling brachte 1915 eine Uhr mit eigenem Chronographen-Drücker bei 2 Uhr heraus, laut Breitling die erste ihrer Art. Ab den 1930er-Jahren führte sein Sohn Willy die Firma. 1933 meldete er ein Patent für einen zweiten Drücker bei 4 Uhr an, der das Zurückstellen auf null übernimmt. Diese Erfindung gilt als Grundlage des modernen Chronographen.

Uhren für Piloten

1942 erschien die Chronomat, laut Breitling der erste Chronograph mit kreisförmigem Rechenschieber. Daraus entwickelte Willy Breitling die Navitimer: 1952 bat ihn die US-Pilotenvereinigung AOPA um einen Chronographen für ihre Mitglieder. In die drehbare Lünette, den Ring um das Zifferblatt, ist ein Rechenschieber eingebaut, mit dem Piloten zum Beispiel Durchschnittsgeschwindigkeit, Treibstoffverbrauch oder Steig- und Sinkrate berechnen. Unter eigenem Namen kam die Navitimer Mitte der 1950er-Jahre in den Handel.

Die Version für AOPA-Mitglieder trug kein Breitling-Zeichen, sondern das geflügelte AOPA-Emblem. Zu den Trägern der Navitimer zählen laut Breitling der Jazzmusiker Miles Davis und Rennfahrer wie Jim Clark.

Vom Cockpit ins All

Am 24. Mai 1962 umkreiste der Astronaut Scott Carpenter in der Kapsel Aurora 7 dreimal die Erde. Er trug dabei eine eigens angefertigte Navitimer mit 24-Stunden-Zifferblatt, laut Breitling die erste Schweizer Armbanduhr im Weltraum. Später kam sie als «Cosmonaute» in den Handel.

1969 entwickelte Breitling gemeinsam mit dem Haus Heuer (der späteren Marke TAG Heuer) und Buren das «Chrono-Matic», ein Chronographenwerk mit Selbstaufzug. Laut Breitling war es das erste automatische Chronographenwerk der Welt.

Schwarze Breitling Navitimer Cosmonaute mit 24-Stunden-Zifferblatt, drei Hilfszifferblättern und Rechenschieber-Lünette
Breitling Navitimer Cosmonaute in schwarzem Gehäuse · Bild: Ralf Roletschek, CC BY 3.0

Quarzkrise und Neuanfang

In der Quarzkrise der späten 1970er-Jahre, als günstige Quarzuhren den Markt überrollten, schloss die Fabrik in La Chaux-de-Fonds im Dezember 1978. Am 5. April 1979 übernahm Ernest Schneider, ein Pilot und früherer Leiter der Uhrenfirma Sicura, die Marke. Die Produktion zog in die frühere Sicura-Fabrik in Grenchen. Breitling nutzte Quarzwerke wegen ihrer Zuverlässigkeit, setzte aber unter dem Leitspruch «Instruments for Professionals» weiter auf mechanische Uhren.

1984 erschien zum 100-Jahr-Jubiläum die mechanische Chronomat neu. Sie ging aus einem Chronographen für die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori hervor und trug laut Breitling zur Wiederbelebung des mechanischen Chronographen bei. 1988 folgte die Emergency, eine Armbanduhr mit eingebautem Notsender, die als erste ihrer Art gilt. 2009 stellte die Marke mit dem Kaliber 01 ihr erstes eigenes Werk vor.

Neue Eigentümer

1994 übernahm Theodore Schneider die Führung von seinem Vater. 2017 verkaufte die Familie Schneider 80 Prozent der Firma an den Finanzinvestor CVC Capital Partners, und Georges Kern wurde Chef. 2018 ging auch der Rest an CVC.

Im Dezember 2022 vereinbarte der Investor Partners Group, seinen Anteil aufzustocken und grösster Aktionär zu werden. CVC und das Management blieben beteiligt. Alfred Gantner, Mitgründer der Partners Group, wurde Verwaltungsratspräsident; Georges Kern blieb Chef.

Meilensteine

  1. 1884 Léon Breitling eröffnet in Saint-Imier ein Atelier für Chronographen.
  2. 1915 Gaston Breitling lanciert laut Breitling eine Uhr mit eigenem Chronographen-Drücker bei 2 Uhr.
  3. 1933 Willy Breitling meldet ein Patent für den zweiten Drücker bei 4 Uhr an.
  4. 1942 Die Chronomat erscheint, laut Breitling mit dem ersten kreisförmigen Rechenschieber an einem Chronographen.
  5. 1952 Die AOPA bittet Willy Breitling um eine Pilotenuhr, die spätere Navitimer; unter dem Namen Breitling kommt sie Mitte der 1950er-Jahre in den Handel.
  6. 1962 Astronaut Scott Carpenter trägt im All eine Navitimer mit 24-Stunden-Zifferblatt.
  7. 1969 Breitling entwickelt gemeinsam mit Heuer und Buren das Chronographenwerk «Chrono-Matic» mit Selbstaufzug.
  8. 1979 Ernest Schneider übernimmt die Marke.
  9. 2009 Das erste eigene Werk, das Kaliber 01, kommt auf den Markt.
  10. 2017 CVC kauft 80 Prozent der Firma; Georges Kern wird Chef.

Ikonen von Breitling

Breitling Navitimer mit schwarzem Zifferblatt, drei weissen Hilfszifferblättern und Rechenschieber auf der Lünette

Breitling · 1952

Navitimer

Eine Stoppuhr, die rechnen kann: Die Navitimer entstand 1952 für Piloten und ist laut Breitling die berühmteste Uhr der Marke.

Wichtige Modelle von Breitling

  • Navitimer

    Fliegerchronograph mit Rechenschieber

    1952 bat die US-Pilotenvereinigung AOPA Willy Breitling um einen Chronographen für ihre Mitglieder. Die Antwort war eine Uhr mit Rechenschieber in der drehbaren Lünette, mit dem Piloten zum Beispiel Geschwindigkeit, Treibstoffverbrauch oder Umrechnungen berechnen. Unter dem Namen Breitling kam sie Ende 1955 in den Handel und gehört laut Marke zu den am längsten ununterbrochen gebauten Armbanduhren.

  • Chronomat

    1942 · Chronograph (Uhr mit Stoppfunktion) mit Rechenschieber

    Die Chronomat von 1942 mit Rechenschieber-Lünette lieferte die Idee für die Navitimer. Zum 100-Jahr-Jubiläum 1984 erschien sie als mechanischer Chronograph neu, abgeleitet vom Modell für die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori; seit 2009 gibt es sie mit dem hauseigenen Kaliber 01.

  • Superocean

    1957 · Taucheruhr

    Die Superocean von 1957 (Referenz 807) ist bis 200 Meter wasserdicht. Laut Breitling war sie der erste Tauch-Chronograph; daneben gab es Ausführungen nur mit Zeitanzeige. Heute lebt sie unter anderem als Superocean Heritage '57 weiter.

  • Cosmonaute

    1962 · Navitimer mit 24-Stunden-Zifferblatt

    Die Navitimer mit 24-Stunden-Skala trug der Astronaut Scott Carpenter am 24. Mai 1962 auf seinem Flug um die Erde. Später kam sie als «Cosmonaute» in den Handel.

  • Top Time

    1964 · Chronograph für den Alltag

    Eine Linie für «junge, aktive Berufstätige» mit kissenförmigem Gehäuse und grafischen Zifferblättern. Im James-Bond-Film «Thunderball» von 1965 kam eine Uhr mit Geigerzähler vor.

  • Emergency

    1988 · Armbanduhr mit Notsender

    1988 mit einer Antenne eingeführt; die Version von 1995 hatte ein patentiertes Antennensystem, zwei Antennen und 48 Stunden unabhängige Energie. Die Emergency II von 2013 ist ein Notsender für zwei Frequenzen.

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Buchtipps zu Breitling

Alle Referenzbücher →

Für Sammler

Navitimer Story

Anthony Marquié, Grégoire Rossier · 2022 · Deutsch · 256 Seiten

Für Sammler

Chronomat Story

Gerard Tubb · 2026 · Deutsch · 288 Seiten

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