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Uhrenatlas

Einstieg in den Luxus · seit 1904

Oris

Mitten im Baselbiet baut Oris seit 1904 Uhren. Die Marke ist unabhängig geblieben, setzt seit 1982 nur noch auf mechanische Werke und ist bekannt für Fliegeruhren mit grosser Krone und für Taucheruhren.

Gegründet
1904 in Hölstein
Gründer
Paul Cattin und Georges Christian
Sitz
Hölstein (Basel-Landschaft)
Gehört zu
Unabhängig, in Privatbesitz
Bekannt für
Big Crown Pointer Date, Aquis, ProPilot, Calibre 400, rein mechanische Uhren
Armbanduhr von Oris mit schwarzem Zifferblatt, einem Datumsring am Rand und einem Zeiger mit rotem Pfeil, der das Datum anzeigt, an schwarzem Lederband
Oris Pointer Date: Das Datum zeigt ein Zeiger auf dem äusseren Ring an · Bild: Oris SA (Freigabe über Wikimedia-Ticket), CC BY-SA 3.0

Ein Fabrikgebäude im Waldenburgertal

1904 kauften die beiden Uhrmacher Paul Cattin und Georges Christian aus Le Locle in Hölstein im Kanton Basel-Landschaft eine stillgelegte Uhrenfabrik und gründeten dort Oris. Den Namen übernahmen sie von einem nahen Bach. Hölstein ist bis heute der Hauptsitz der Marke.

Das Geschäft wuchs rasch: Schon 1911 war Oris mit über 300 Beschäftigten der grösste Arbeitgeber des Dorfs. Später kamen weitere Werke dazu, etwa in Holderbank, Courgenay und Ziefen. Anfangs baute die Firma vor allem Taschenuhren.

Die grosse Krone

1938 brachte Oris eine Fliegeruhr heraus, die zum Markenzeichen wurde. Sie hatte eine übergrosse Krone, die sich auch mit Handschuhen bedienen liess, und statt eines Datumsfensters einen Zeiger, der das Datum auf einem Ring am Rand anzeigt. Aus ihr entstanden die Big Crown und die Pointer Date, die Oris bis heute weiterführt.

Die Schweizer Uhrenindustrie war damals staatlich geregelt. Das Uhrenstatut, das ab 1934 neue Techniken beschränkte, hinderte Oris daran, die Ankerhemmung einzuführen; die Firma baute weiter einfache Stiftankerwerke. Laut Oris kämpfte Rolf Portmann, der 1956 zur Firma kam, rund zehn Jahre lang gegen das Statut.

Quarzkrise und Neuanfang

1970 schloss sich Oris der ASUAG an, einer Vorläuferin der heutigen Swatch Group. Als günstige Quarzuhren den Markt überrollten, schrumpfte die Belegschaft laut Oris von 900 auf wenige Dutzend Personen. 1981 stellte Oris die Herstellung eigener Rohwerke (der Grundlage jedes Uhrwerks) ein.

1982 kauften zwei Führungskräfte, Rolf Portmann und Ulrich W. Herzog, das Unternehmen in einem Management-Buyout (Kauf durch die eigene Führung) und machten es wieder unabhängig. Die neue Oris SA verzichtete auf Quarz und baute fortan nur noch mechanische Uhren. Anders als etwa Omega gehört Oris damit zu keinem Konzern. Heute arbeiten rund 200 Menschen in Hölstein. Ulrich W. Herzog ist Verwaltungsratspräsident, Claudine Gertiser-Herzog und Rolf Studer leiten das Unternehmen gemeinsam.

Eigene Werke wieder im Haus

Seit 1981 fertigte Oris keine eigenen Rohwerke mehr; der Neustart kam erst Jahrzehnte später. 2014 zeigte die Marke zum 110. Geburtstag das Calibre 110, ein handaufgezogenes Werk mit zehn Tagen Gangreserve, also zehn Tagen Laufzeit ohne Aufziehen – laut Oris die Rückkehr zum eigenen Werkbau nach rund 35 Jahren. 2020 folgte das automatische Calibre 400 mit fünf Tagen Gangreserve, Schutz gegen Magnetfelder und zehn Jahren Garantie.

Der rote Rotor, das Aufzugsgewicht der Automatikuhren, ist seit 2002 als Marke eingetragen.

Uhrwerk Oris Calibre 110 von der Rückseite mit grossem Federhaus, der Aufschrift «Power Reserve 10 Days», Räderwerk, Rubinen und Unruh
Oris Calibre 110: handaufgezogenes Werk mit zehn Tagen Gangreserve · Bild: Oris SA (Freigabe über Wikimedia-Ticket), CC BY-SA 3.0

Taucheruhren und Nachhaltigkeit

Neben den Fliegeruhren ist das Tauchen das zweite grosse Thema der Marke. 2011 erschien die Taucheruhr Aquis. 2013 folgte die Aquis Depth Gauge, die die Tauchtiefe über eine Skala im Zifferblatt anzeigt und laut Oris patentiert ist.

2022 veröffentlichte Oris erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem die Marke ihren Weg zur Klimaneutralität beschreibt. Laut Oris gehört sie zu den wenigen Schweizer Marken, die ausschliesslich mechanische Uhren bauen.

Taucheruhr mit schwarzem Gehäuse, drehbarer Lünette, gelber Tiefenskala im Zifferblatt und gelbem Kautschukband
Oris Aquis Depth Gauge: Taucheruhr mit Tiefenskala · Bild: Oris SA (Freigabe über Wikimedia-Ticket), CC BY-SA 3.0

Meilensteine

  1. 1904 Paul Cattin und Georges Christian gründen Oris in Hölstein.
  2. 1938 Erste Fliegeruhr mit übergrosser Krone und Zeigerdatum: der Ursprung von Big Crown und Pointer Date.
  3. 1970 Oris wird Teil der ASUAG, einer Vorläuferin der Swatch Group.
  4. 1982 Management-Buyout: Oris wird wieder unabhängig und baut nur noch mechanische Uhren.
  5. 2002 Der rote Rotor wird eingetragene Marke.
  6. 2011 Die Taucheruhr Aquis erscheint.
  7. 2014 Calibre 110: handaufgezogenes Werk mit zehn Tagen Gangreserve.
  8. 2020 Das automatische Calibre 400 erscheint.
  9. 2022 Erster Nachhaltigkeitsbericht.

Bilder von Oris

Goldfarbene Oris-Taschenuhr mit silbernem Zifferblatt, schlanken Strichindizes, Datumsfenster bei 4 Uhr und der Aufschrift «Oris Anti-Shock», an einer Kette vor schwarzem Hintergrund
Goldfarbene Oris-Taschenuhr «Anti-Shock» mit Datumsfenster (Familienstück des Fotografen) · Bild: William Warby, CC BY 2.0

Ikonen von Oris

Armbanduhr von Oris mit schwarzem Zifferblatt, einem Datumsring am Rand und einem Zeiger mit rotem Pfeil, der das Datum anzeigt, an schwarzem Lederband

Oris · 1938

Big Crown

Eine Krone, so gross, dass man sie mit Handschuhen bedient, und ein Zeiger, der das Datum zeigt: Die Big Crown ist seit 1938 das Markenzeichen von Oris.

Wichtige Modelle von Oris

  • Big Crown Pointer Date

    1938 · Fliegeruhr

    Das Markenzeichen seit 1938: eine übergrosse Krone, die sich mit Handschuhen bedienen lässt, und ein Zeiger, der das Datum auf einer Skala am Zifferblattrand anzeigt. Heute gibt es sie in 36 und 40 Millimetern.

  • Aquis

    2011 · Taucheruhr

    Taucheruhr mit 300 Metern Wasserdichtigkeit, einseitig drehbarer Lünette mit Tauchskala und verschraubter Krone; sie gibt es in mehreren Grössen von 39 bis 43,5 Millimetern.

  • Aquis Depth Gauge

    2013 · Taucheruhr mit Tiefenmesser

    Zeigt die Tauchtiefe ohne Elektronik: Wasser dringt bei 12 Uhr durch eine kleine Öffnung in einen Kanal und hinterlässt eine Marke auf einer Skala – laut Oris ein patentiertes Prinzip.

  • Big Crown ProPilot Altimeter

    2014 · Fliegeruhr mit Höhenmesser

    Eine Automatikuhr mit mechanischem Höhenmesser; Oris nennt sie die erste automatische mechanische Uhr mit einem solchen Höhenmesser.

  • Divers Sixty-Five

    2015 · Taucheruhr im Retro-Stil

    Eine getreue Neuauflage von Oris' erster Taucheruhr von 1965: gewölbtes Glas, einseitig drehbare Lünette und 100 Meter Wasserdichtigkeit; es gibt sie in 36, 40 und 42 Millimetern.

  • Big Crown ProPilot X Calibre 115

    2019 · Fliegeruhr mit Skelettwerk

    Eine Fliegeruhr mit skelettiertem Werk, bei dem man ins Innere sieht: zehn Tage Gangreserve und die patentierte nichtlineare Gangreserve-Anzeige.

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