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Uhrenatlas

Avantgarde – die Wilden · seit 2005

MB&F

Maximilian Büsser verliess 2005 die Chefetage von Harry Winston, um mit befreundeten Uhrmachern und Designern Uhren zu bauen, die wie kleine Skulpturen aussehen. Das Ergebnis heisst MB&F, kurz für «Maximilian Büsser & Friends».

Gegründet
2005 in Genf
Gründer
Maximilian Büsser
Sitz
Genf
Gehört zu
Mehrheitlich Gründer Büsser (60 Prozent); Chanel hält seit 2024 einen Viertel
Bekannt für
Horological Machines (HM) und Legacy Machines (LM), Uhren als kinetische Skulpturen
Drei Armbanduhren auf schwarzem Grund, bei denen Stunden und Minuten auf zwei gewölbten, kuppelförmigen Anzeigen abzulesen sind, dazwischen ein sichtbarer Mechanismus
MB&F Horological Machine No. 3 «Frog» in drei Ausführungen · Bild: MB&F, CC BY-SA 4.0

Vom Harry-Winston-Chef zum Uhrenkünstler

Maximilian Büsser schloss 1991 an der EPFL ein Studium der Mikrotechnik ab und arbeitete danach bis 1998 bei Jaeger-LeCoultre. Von 1998 bis 2005 leitete er die Uhrenabteilung von Harry Winston. Dort entstand die Opus-Reihe: Jede Ausgabe wurde zusammen mit einem unabhängigen Uhrmacher entwickelt.

Dieses Prinzip nahm Büsser mit, als er im Juli 2005 MB&F gründete. Der Name steht für «Maximilian Büsser & Friends»: Jede Uhr entsteht in einem kleinen Team aus Designern, Konstrukteuren und Uhrmachern, die die Marke offen beim Namen nennt. An seiner Seite steht Serge Kriknoff, der heute Entwicklung und Produktion leitet.

Maschinen statt Uhren

MB&F spricht nicht von Uhren, sondern von «Machines». 2007 erschien die Horological Machine No. 1 (HM1) mit zwei überlappenden Anzeigen für Stunden und Minuten und einem erhöhten Tourbillon (ein Drehkäfig gegen Schwerkraftfehler), das sich einmal pro Minute dreht. Das Aussehen entwarf Eric Giroud, bei der Umsetzung halfen unter anderem Peter Speake-Marin und Laurent Besse. Bei der HM3 (2009) liest man die Zeit an zwei drehenden Kegeln unter gewölbten Gläsern ab; die Variante «Frog» folgte 2010. Die HM4 «Thunderbolt» (2010) greift das Kampfflugzeug P-47 Thunderbolt auf und gewann im selben Jahr am Grand Prix d'Horlogerie de Genève den Preis für Konzept und Design.

2011 kam mit den Legacy Machines eine zweite Linie dazu, die klassischer auftritt. Die Legacy Machine No. 1 (LM1) hat ein rundes Gehäuse und eine grosse Unruh, die frei über dem Zifferblatt schwebt. Dazu kommen zwei voneinander unabhängige Zeitzonen und eine senkrechte Gangreserveanzeige. Im selben Jahr eröffnete Büsser in Genf die M.A.D. Gallery, in der seine Maschinen neben mechanischer Kunst anderer Künstler stehen.

Roségoldene Armbanduhr mit zwei kleinen weissen Zifferblättern und einer erhöhten, frei sichtbaren Unruh in der Mitte, an braunem Lederband
MB&F Legacy Machine No. 1 in Roségold · Bild: MB&F, CC BY-SA 3.0

Ein Viertel gehört Chanel

Am 22. August 2024 wurde bekannt, dass Chanel 25 Prozent an MB&F übernimmt. Maximilian Büsser behält 60 Prozent, weitere 15 Prozent gehören Serge Kriknoff. Büsser sagte, die Beteiligung erlaube es MB&F, ohne Wachstumsdruck unabhängig zu bleiben und auf das Zuliefernetz von Chanel zurückzugreifen. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Stückzahlen bleiben klein: 2022 entstanden rund 350 Uhren, 2023 arbeiteten etwa 48 Mitarbeitende bei MB&F.

Meilensteine

  1. 2005 Maximilian Büsser gründet MB&F in Genf.
  2. 2007 Die Horological Machine No. 1 (HM1) ist die erste Uhr der Marke.
  3. 2010 Die HM4 «Thunderbolt» gewinnt am GPHG den Preis für Konzept und Design.
  4. 2011 Die Legacy Machine No. 1 erscheint; in Genf öffnet die M.A.D. Gallery.
  5. 2015 Die Legacy Machine Perpetual erscheint und wird 2016 am GPHG als beste Kalenderuhr ausgezeichnet.
  6. 2024 Chanel erwirbt 25 Prozent an MB&F.

Wichtige Modelle von MB&F

  • Horological Machine No. 1 (HM1)

    2007 · Tourbillon-Uhr

    Die erste «Machine» der Marke: eine Uhr im Format einer kleinen Skulptur mit getrennten Anzeigen für Stunden und Minuten und einem Tourbillon (Drehkäfig gegen Schwerkraftfehler) dazwischen, das sich einmal pro Minute dreht.

  • Horological Machine No. 3 (HM3)

    2009 · Skulpturale Uhr

    Eine Uhr mit neuer Gehäuseform, bei der man die Zeit an zwei drehenden Kegeln abliest; später folgten Varianten wie die Frog (2010).

  • Horological Machine No. 4 Thunderbolt (HM4)

    2010 · Skulpturale Uhr

    Eine Handaufzugsuhr mit schräg angeordneten Anzeigen, inspiriert von Pilotenuhren und dem Kampfflugzeug P-47 Thunderbolt. 2010 wurde sie am Grand Prix d'Horlogerie de Genève mit dem Preis für Konzept und Design ausgezeichnet.

  • Legacy Machine No. 1 (LM1)

    2011 · Rundes Gehäuse, klassischer Auftritt

    Die erste «Legacy Machine» mit rundem Gehäuse: Eine 14 Millimeter grosse Unruh (der Taktgeber) schwebt über dem Zifferblatt, dazu kommen zwei getrennt einstellbare Zeitanzeigen und eine senkrechte Gangreserve-Anzeige. Sie gewann 2012 den Preis für die beste Herrenuhr sowie den Publikumspreis.

  • Legacy Machine Perpetual

    2015 · Ewiger Kalender

    Ein ewiger Kalender (er kennt unterschiedlich lange Monate und Schaltjahre), dessen Mechanismus vom irischen Uhrmacher Stephen McDonnell stammt und von einem 28-Tage-Monat ausgeht, um Fehlbedienung abzufangen. 2016 am Grand Prix als beste Kalenderuhr ausgezeichnet.

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