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Uhrenatlas

Spitzenhäuser · seit 1828

H. Moser & Cie.

Der Name geht auf einen Schaffhauser Uhrmacher zurück, der im 19. Jahrhundert in Russland reich wurde und am Rhein Industrie aufbaute. Seit der Neugründung 2002 steht H. Moser & Cie. für Fumé-Zifferblätter mit Farbverlauf und für den Mut, das Logo wegzulassen.

Gegründet
1828 in St. Petersburg; Neugründung 2002 in Schaffhausen
Gründer
Heinrich Moser (1805–1874)
Sitz
Schaffhausen
Gehört zu
MELB Holding der Familie Meylan; unabhängig und familiengeführt
Bekannt für
Fumé-Zifferblätter, Endeavour, Streamliner, Concept-Uhren ohne Logo
Silberne Taschenuhr mit weissem Zifferblatt, grossen schwarzen Ziffern, kleiner Sekunde bei 6 Uhr und der Aufschrift «H. Moser & Cie.»
Taschenuhr von H. Moser & Cie., 1900er-Jahre, Staatliches Historisches Museum Moskau · Bild: Shakko, CC BY-SA 4.0

Von Schaffhausen nach St. Petersburg

Heinrich Moser kam am 12. Dezember 1805 in Schaffhausen als Sohn eines Uhrmachers zur Welt. Er lernte beim Vater und arbeitete in Le Locle und La Chaux-de-Fonds, bevor er mit 22 Jahren nach Russland zog. Dort gründete er 1828 in St. Petersburg das Handelsunternehmen H. Moser & Cie; zu den frühen Kunden zählten russische Fürsten und Mitglieder des Hofs. 1829 eröffnete er eine Uhrenfabrik in Le Locle, die Europa und Asien belieferte. Mit weiteren Geschäften in Moskau und Kiew galt er als Marktführer in Russland und darüber hinaus in ganz Asien.

Die Marke spricht von schätzungsweise 500'000 Uhren, die Moser produziert habe, von einfachen Modellen bis zu grossen Komplikationen. Dass Uhren mit seinem Namen bis ins 20. Jahrhundert in Russland im Umlauf waren, zeigt eine Taschenuhr aus den 1900er-Jahren im Staatlichen Historischen Museum in Moskau; ihr Zifferblatt trägt die Aufschrift «H. Moser & Cie.».

Industriepionier am Rhein

1848 kehrte Moser als vermögender Mann in die Schweiz zurück und liess sich in Neuhausen am Rheinfall das Schloss Charlottenfels bauen. Sein Geld steckte er in die Entwicklung der Region, in Energie, Industrie, Eisenbahnen, Tourismus und Handel. 1850/51 baute er am linken Rheinufer bei Schaffhausen ein erstes Kraftwerk mit 80 PS, 1863 bis 1866 ein zweites mit 600 PS. Das Wehr quer durch den Rhein ist als Moserdamm bekannt; die Turbinen trieben lange Drahtseile an, die die Kraft in die Werkstätten einer Industriehalle übertrugen.

1853 gründete Moser in Neuhausen die Schweizerische Waggon-Fabrik, aus der 1863 die Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG) hervorging. Er starb am 23. Oktober 1874 in Badenweiler.

Historische Fotografie des Rheins mit dem Wehr, grossen Seilscheiben der Kraftübertragung und einem Turbinenhaus am Ufer
Moserdamm bei Schaffhausen: Seiltransmission und Turbinenhaus, 1865 · Bild: unbekannter Fotograf (Fotoarchiv Schaffhausen), gemeinfrei

Vergessen und neu belebt

Nach Mosers Tod ging das Geschäft in andere Hände: Seine Witwe verkaufte den russischen Handel und die Fabrik in Le Locle. 1905 entstand dort die «Fabrique H. Moser & Cie». Der russische Teil ging mit der Oktoberrevolution von 1917 unter, und in der Quarzkrise verlor das Haus seine Eigenständigkeit: 1979 ging der Betrieb in Le Locle in der Dixi-Gruppe auf.

2002 gründeten Jürgen Lange und Mosers Urenkel Roger Nicholas Balsiger die Moser Schaffhausen AG; 2005 eröffnete eine neue Manufaktur in Schaffhausen. Ende 2012 übernahm die MELB Holding der Familie Meylan die Mehrheit, im April 2013 trat Edouard Meylan als Chef an. Laut Moser ist das Haus eines der wenigen unabhängigen, von Familien geführten Uhrenhäuser; auch Nachkommen von Heinrich Moser arbeiten dort mit, und jede Spiralfeder (die feine Feder, die den Gang regelt) wird im eigenen Haus geformt und gehärtet.

Schwarzweisses Luftbild von Le Locle mit einem grossen Fabrikgebäude zwischen Wohnhäusern und Gärten; im Archiv der ETH-Bibliothek als Uhrenfabrik H. Moser & Cie. verzeichnet
Le Locle mit der Uhrenfabrik H. Moser & Cie., Luftbild von Walter Mittelholzer, zwischen 1918 und 1937 · Bild: Walter Mittelholzer, gemeinfrei

Fumé-Zifferblätter und der Mut zur Lücke

Das Markenzeichen von Moser ist das Fumé-Zifferblatt: ein Farbverlauf, der in der Mitte hell ist und zum Rand hin dunkler wird. Laut Firmenchef Edouard Meylan trugen 2018 rund 95 Prozent der verkauften Uhren ein solches Zifferblatt. Schon Feuchtigkeit, Temperatur und Luftbewegung können die Farbe einer Charge verändern, deshalb braucht die Herstellung stabile Bedingungen. Die «Concept»-Uhren gehen noch weiter: Die Linie startete Mitte der 2010er-Jahre mit einem Zifferblatt ganz ohne Indizes (Stundenmarkierungen) und ohne Logo; erkennbar bleibt die Marke an der Fumé-Farbe. Auch das Endeavour Tourbillon Concept von 2018 verzichtet auf den Markennamen und gibt den Blick auf ein fliegendes Tourbillon (ohne obere Brücke) frei.

2020 kam mit der Streamliner eine Sportuhr mit integriertem Armband. Ihr Gehäuse erinnert an die stromlinienförmigen Züge der 1920er- und 1930er-Jahre; das Chronographenwerk HMC 902 entstand zusammen mit dem Werkehersteller Agenhor. Die Streamliner Flyback Chronograph gewann 2020 den Chronographenpreis des Grand Prix d'Horlogerie de Genève. Moser zeigt auch Humor: 2017 stellte die Marke am Genfer Salon SIHH eine «Swiss Mad Watch» mit einem Gehäuse aus Schweizer Käse vor.

Meilensteine

  1. 1828 Heinrich Moser gründet in St. Petersburg das Handelsunternehmen H. Moser & Cie.
  2. 1829 Er eröffnet eine Uhrenfabrik in Le Locle.
  3. 1848 Moser kehrt nach Schaffhausen zurück und lässt Schloss Charlottenfels bauen.
  4. 1866 Das Wehr im Rhein (Moserdamm) ist vollendet; das zweite Kraftwerk mit 600 PS entstand 1863 bis 1866.
  5. 1874 Heinrich Moser stirbt in Badenweiler.
  6. 1905 In Le Locle entsteht die «Fabrique H. Moser & Cie».
  7. 1979 Der Betrieb in Le Locle geht in die Dixi-Gruppe über.
  8. 2002 Jürgen Lange und Roger Nicholas Balsiger gründen die Moser Schaffhausen AG.
  9. 2012 Die MELB Holding der Familie Meylan übernimmt die Mehrheit.
  10. 2020 Die Streamliner erscheint; die Chronographen-Version gewinnt den Preis des Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

Wichtige Modelle von H. Moser & Cie.

  • Endeavour

    Linie für Komplikationen

    Das Gehäuse hat einen gewölbten Boden für bequemes Tragen und gilt als das Gehäuse für Komplikationen wie den ewigen Kalender. Typisch ist der aufgeräumte Auftritt: Die Komplikation wird auf einfache Weise angezeigt, das Zifferblatt bleibt frei von Überflüssigem.

  • Venturer

    2014 · Uhrenlinie

    2014 kündigte Moser diese neue Linie an. Zu den ersten Modellen zählten drei Uhren mit kleiner Sekunde sowie das Tourbillon Venturer mit modularem Konzept.

  • Pioneer

    Sportliche Linie

    Laut Marke «nicht einfach eine weitere Sportuhr»: ein robustes Gehäuse mit kratzfestem Saphirglas, wasserdicht bis 12 ATM (rund 120 Meter) und mit Leuchtmasse für schlechte Lichtverhältnisse.

  • Streamliner

    2020 · Sportuhr mit integriertem Armband

    Anfang 2020 vorgestellt; die fliessenden Linien erinnern an die schnellen Züge der 1920er- und 1930er-Jahre. Der Flyback-Chronograph (Rückstellung auf null im Lauf) mit dem Werk HMC 902 gewann 2020 den Preis für den besten Chronographen am Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

  • Heritage

    Klassische Linie

    Moser sagt dazu: «Beweis, dass Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander bestehen können.» Das Gehäuse erinnert an alte Taschenuhren; die Linie holt sich Anregungen aus der Geschichte des Hauses, ohne frühe Uhren nachzubauen.

  • Endeavour Tourbillon Concept

    2018 · Concept-Uhr mit fliegendem Tourbillon

    Ein Fumé-Zifferblatt in «Funky Blue» ohne Logo und ohne Markennamen; bei 6 Uhr liegt ein fliegendes Tourbillon (ohne obere Brücke) in einer Öffnung. 2018 am Genfer Salon SIHH vorgestellt, in einem Gehäuse aus Weissgold, begrenzt auf 20 Stück.

  • Swiss Alp Watch

    2016 · Satirische Uhr

    Am Genfer Salon SIHH 2016 zeigte Moser die «Swiss Alps Watch Zzzz», eine satirische Antwort auf die Apple Watch. 2017 folgte die «Swiss Mad Watch» mit einem Gehäuse aus echtem Schweizer Käse.

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Quiz: Was weisst du über H. Moser & Cie.?

Mehr Fragen gibt es im grossen Quiz.