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Uhrenatlas

Avantgarde – die Wilden · seit 1822

Bovet

Édouard Bovet verkaufte ab 1818 Taschenuhren in Kanton und gründete 1822 mit seinen Brüdern ein Haus, dessen verzierte Uhren in China begehrt waren. Nach langer Pause belebte Pascal Raffy die Marke ab 2001 neu.

Gegründet
1822 (Firma in London registriert, Uhren aus Fleurier); als Marke seit den 1990er-Jahren neu aufgebaut
Gründer
Édouard Bovet und seine Brüder
Sitz
Fleurier (Gesellschaft), Schloss Môtiers im Val-de-Travers; Manufaktur in Tramelan
Gehört zu
Pascal Raffy (Inhaber und CEO, Einstieg 2001)
Bekannt für
Emaille- und Gravurkunst, Tourbillons, das Wandlungsgehäuse Amadeo, die Récital-Uhren
Runde goldene Taschenuhr mit Perlenrand und farbig emailliertem Deckel, auf dem Putten zwischen Rosen zu sehen sind, auf schwarzem Stoff
Taschenuhr mit der Signatur «Bovet», Perlenrand und Emailmalerei, 19. Jahrhundert (National Palace Museum, Taipeh) · Bild: National Palace Museum, Taipeh (Open Data), CC BY 4.0

Uhren für das Reich der Mitte

Édouard Bovet wurde 1797 in Fleurier im Neuenburger Jura geboren. Er ging 1814 nach London und reiste 1818 nach Kanton (Guangzhou), damals der einzige chinesische Hafen, der westlichen Händlern offenstand. Laut Bovet kam er mit vier Taschenuhren an, die sich rasch verkauften.

1822 gründete er mit seinen Brüdern das Haus Bovet, das in London registriert wurde. Gebaut wurden die Uhren in Fleurier, verkauft in Kanton. Sie waren aufwendig emailliert, also mit eingebrannter Glasfarbe verziert, und kamen oft als Paar auf den Markt. 1855 erhielt Bovet an der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille für zwei emaillierte Uhren, die der chinesische Kaiser bestellt hatte. In China, so die Marke, wurde der Name «Bo Wei» zum Wort für eine feine Uhr.

Eine unterbrochene Geschichte

Um 1855 brach der chinesische Markt ein, 1864 verkaufte die Familie die Firma an Fabrikationsinspektoren in Fleurier. In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Name mehrfach den Besitzer. Nach gängiger Darstellung erwarb Favre-Leuba 1948 den Namen und stellte die Produktion von Bovet-Uhren 1950 ein.

Die heutige Marke setzt die Firma von 1822 deshalb nicht ununterbrochen fort. Eine neue Gesellschaft, die Bovet Fleurier SA, entstand 1990; ab 1994 baute sie unter Roger Guye und Thierry Oulevay wieder Uhren. 2001 übernahm Pascal Raffy, ein früherer Manager der Pharmaindustrie, das Unternehmen. Er ist heute Inhaber und CEO.

Schloss, Manufaktur und Wandlungsgehäuse

2006 erwarb Raffy das Schloss Môtiers im Val-de-Travers, das die Familie Bovet 1835 gekauft hatte und das seit 1957 dem Kanton Neuenburg gehörte. Heute ist es Sitz der Marke und Ort der Endmontage. Im selben Jahr kaufte Raffy Zulieferbetriebe, darunter den Werkehersteller Dimier. Laut Bovet stellt die Manufaktur in Tramelan über 95 Prozent der Bauteile selbst her und baut rund 1'000 Uhren pro Jahr; etwa ein Drittel davon sind Einzelstücke.

Bekannt ist Bovet für das Amadeo-System (2010): Das Gehäuse lässt sich ohne Werkzeug von der Armbanduhr in eine Taschen- oder Tischuhr verwandeln und geht auf ein Patent des Hauses aus den 1930er-Jahren zurück. 2018 gewann die Récital 22 Grand Récital den «Aiguille d'Or» des Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

Meilensteine

  1. 1822 Édouard Bovet und seine Brüder gründen das Haus Bovet (registriert in London, Produktion in Fleurier).
  2. 1855 Goldmedaille an der Weltausstellung in Paris für ein Paar emaillierter Uhren für den chinesischen Kaiser.
  3. 1950 Nach gängiger Darstellung stellt Favre-Leuba die Produktion von Bovet-Uhren ein.
  4. 2001 Pascal Raffy übernimmt die Marke und belebt sie neu.
  5. 2006 Raffy erwirbt das Schloss Môtiers und Zulieferbetriebe, darunter Dimier.
  6. 2010 Das Wandlungsgehäuse Amadeo erscheint.
  7. 2018 Die Récital 22 Grand Récital gewinnt die «Aiguille d'Or» am GPHG.

Bilder von Bovet

Steinernes Denkmal mit Ziervase auf einer Wiese mit Herbstlaub; die Inschrift nennt die dankbaren Arbeiter von Fleurier, Édouard Bovet sowie seine Geburts- und Todesdaten 1798 und 1849
Denkmal für Édouard Bovet (1798–1849) in Fleurier, errichtet von den «dankbaren Arbeitern von Fleurier» · Bild: Arkelin, CC BY 4.0

Wichtige Modelle von Bovet

  • Amadeo

    2010 · Wandlungsgehäuse

    Das patentierte Gehäuse lässt sich ohne Werkzeug von der Armbanduhr in eine Taschen-, Anhänger- oder Tischuhr verwandeln. Das Vorbild war ein Patent des Hauses aus den 1930er-Jahren, das «Easel Chronometer».

  • Ottantasei (mit Pininfarina)

    2010 · Sportuhr mit Tourbillon

    Aus der Zusammenarbeit mit dem Designhaus Pininfarina (Partnerschaft seit 2007): eine Tourbillon-Uhr mit Gehäuse aus Saphirglas, die die Mechanik freilegt.

  • 19Thirty

    2015 · Klassische Uhr mit Hauswerk

    Eine Linie, deren Zifferblatt-Aufbau von der Staffelei-Uhr der 1930er-Jahre (Easel Chronometer) angeregt ist; 2015 kam sie mit einem Hauswerk.

  • Récital

    Komplizierte Uhren

    Die Familie der grossen Komplikationen des Hauses. Die Récital 22 Grand Récital gewann 2018 den «Aiguille d'Or»; die Récital 28 Prowess 1 vereint Weltzeit, fliegendes Tourbillon, ewigen Kalender und zehn Tage Gangreserve in 744 Teilen.

  • Édouard Bovet Flying Tourbillon

    2018 · Tourbillon-Uhr

    Zum 200-Jahr-Gedenken an die Reise des Gründers nach China: ein von beiden Seiten sichtbares fliegendes Tourbillon (ein nur einseitig gelagerter Drehkäfig), drei Zeitzonen und zehn Tage Gangreserve.

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